10 Nicht einem Badeschloß gleicht das nur im Mittelbau zwei-, in den Flügeln einstöckige, rote Haus mit den grünen Fensterläden; viel eher dem aus Urväterzeit ererbten Gutshof eines wohlhabenden Bauern. Vom kühlen Thorweg aus fällt der Blick gerade auf den Laufbrunnen, vor dem der Altreichs- kanzler sich regelmäßig während der Ovationen aufzustellen pflegte, die ihm nach der Entlassung in so überwältigender Großartigkeit dargebracht wurden. Rechter Hand führt eine breite Treppe empor zu den Bismarckzimmern, die weder fürst- licher Prunk noch moderner Flitterkram ziert, die vielmehr an die ernst und gediegen ausgestatteten Säle und Stuben eines reichen Patriziers aus Luthers und Albrecht Dürers Zeiten erin- nern. Überall an den Decken und Wänden, kostbare, trefflich erhaltene Holzschnitzereien, die eine Meisterhand verraten, und Gemälde im Stil eines Tizian und Rembrandt van Ryn; dazwi- schen herrliche Kleinodien aus den Schätzen der fränkischen Klöster und Prunkstücke mittelalterlicher Tischlerkunst. Fürst Bismarck reiste nicht allein. Es begleiteten ihn seine Gemahlin, Fürstin Johanna von Bismarck-Schönhausen, und die gemeinsame Tochter, Gräfin Marie. Die Fürstin bewohnte eine eigene Wohnung, in der sich eine um 1740 in Mainz oder Würzburg für höchste Ansprüche gearbeitete Aufsatzkommode mit aufwändiger Formgebung befand. Das Möbel zeichnet sich durch seine komplexe Marketerie und edle, feuervergoldete Beschläge aus. Es stammt aus der Blütezeit des Rokoko und wurde wegen der geschweiften Seitenteile und des rocailleförmigen Beschlagwerks auch „Muschelschrank“ genannt. Die Aufsatzkommode gelangt zum ersten Mal auf den Kunstmarkt (Katalog-Nr. 173).
