8 Fürst Otto von Bismarcks Ankunft im Kurort Bad Kissingen war jedes Mal ein Ereignis. „Morgen kommt er an!“ Wie ein Flugfeuer durchlief die Nachricht das Städtchen, und eiligst begannen die Bürger mit den Vorbereitungen zum festlichen Empfang. Mit frischem Grün ward der stattliche Bahnhof geziert und im Fürsten- salon wurden wahre Berge kostbarer Blumenspenden von Verehrern und Freunden der Familie aufgestapelt. Haus für Haus schmückte sich mit Fahnen und Guirlanden, und manch kerniger Spruch rief dem berühmtesten Bürger des Städtchens ein frohesWillkommen zu.Auf der oberen Saline,die Bismarck seit seinem zweiten Aufenthalt im Jahre 1876 alljährlich bewohnte, traf das prächtige Pächterpaar – der Ökonomierat Streit nebst seiner Gattin – die letzten Anordnungen, damit „er“ das trauliche Heim in gewohnter Ordnung finde. Die Unterkunft in der Oberen Saline war in der Tat standesgemäß. Das Gebäude, welches einst im Auftrag von Adam Friedrich Graf von Seinsheim (1708-1779) errichtet wurde, diente dem Fürstbischof von Würzburg als Unterkunft während seiner Kur. Auch waren dort die fürstbischöflichen und später die königlichen Salinenbeamten untergebracht. Ein Gendarmerieposten, der für die persönliche Sicherheit des Kanzlers sorgen konnte, war ebenfalls vorhanden. Die eigentliche Bismarck-Wohnung war 1876 vom königlichen Rat Karl Stephan Streit (1833-1902) eingerichtet worden. Er war der Verwalter der Oberen Saline und des dazuge- hörenden landwirtschaftlichen Betriebes, und für den Kurgast Bismarck der eigentliche Vermieter.
