Die -Fabrik: Ihrer Zeit weit voraus Richard Steiff (1877-1939) gilt nicht nur als Erfinder des Teddybären. Der Neffe von Margarete Steiff war auch Erfinder und Geschäftsmann. Richards Vater Fritz hatte seinen Sohn auf die Stuttgarter Kunstgewerbeschule und zu Studien- aufenthalten nach England geschickt. Zu seinen ersten Aufgaben in der Firma gehörte es, die Spielwarenfabrik auf der Leipziger Messe zu vertreten. Um die Jahrhundertwende platzte die Firma aus allen Nähten. Auf Richard Steiff´s Initiative hin entstanden Pläne für drei neue Fabrikgebäude, die noch heute ein Aushängeschild des Unternehmens sind. Sie wurden aus Beton und Stahl konstruiert und boten allen Mitarbeitern helle, Licht durchflutete Arbeits- plätze – ein Novum in der damaligen Zeit. Da sich die Urheberschaft von Richard Steiff nicht mehr eindeutig, etwa anhand von Bauzeichnungen, nachweisen lässt, werden die Gebäude in der einschlägigen Literatur als Werke eines „unbekannten Architekten“ geführt. Der Modernität der Gebäude tut das jedoch keinen Abbruch. Es ist offensichtlich, dass die Architektur modernste Kriterien erfüllt. Der dreigeschossige Ostbau zum Beispiel ist vollständig von einer doppelscha- ligen Glaswand überzogen. Die äußere Schale wurde durchgängig vor die Trag- konstruktion gehängt, die innere reicht jeweils vom Fußboden bis zur Decke. Das Rahmenwerk sitzt einem Betonsockel auf. Möglicherweise war Friedrich Steiff, der auch als Erbauer der ersten Eisenbahnbrücke über die Brenz gilt, maßgeblich am Entwurf beteiligt. Der Ost- (1903), West- (1905) und Nordbau (1908) gehören somit zu den Mus- terbeispielen des neuzeitlichen Fabrikbaus und sind Vorläufer der funktionalis- tischen Architektur, wie sie etwa von Walter Gropius und anderen Vertretern des Bauhauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Die Fotos stammen aus einem privaten Fotoalbum (siehe Katalog-Nummer 123), welches in der Steiff Sonderauktion 2010 zur Versteigerung gelangt.
