695 | Asiatische Kunst
Die 16 Luohans

Die Steinschnitte der 16 Luohans zählen zu den bedeutendsten Werken buddhistischer Kunst. Sie wurden von Guan Xiu (貫休) (832-912) geschaffen. Die 16 Luohans (羅漢, korrekter 阿羅漢) stellen die 16 legendären Arhats dar. Im Gegensatz zu den Abbildungen von Buddhas, Boddhisattvas oder auch einem Götterpantheon werden diese Luohans als ausgeprägte Individuen gezeigt. Der Luohan ist eben kein "übermenschliches" Wesen, sondern hat auf seinem individuellen Lebensweg zur Erkenntnis der Wirklichkeit gefunden. Er erhebt sich nicht über das Menschsein: er ist ein Weiser in der Welt - doch von dieser unberührt. Der chinesische Kaiser Qian Long (乾隆) besuchte 1756 das Kloster Sheng Yin (聖因寺) in Hengshou (衡州, heute: Hengyang 衡陽), in dem die originalen Steinschnitte aufgestellt waren. Voll Bewunderung verfasste er für jeden Luohan ein Gedicht und ließ durch den Reichslehrer Zhang Jia (章嘉, das ist lCang sKya Rol Pa'i rDo rJe, der 3. Cangkya-Tulku) die chinesische Schreibweise der Namen und ihre Reihenfolge aktualisieren, wie in seinem Schlusstext beschrieben. Beides wurde den Steinschnitten zugefügt. Diese Arbeiten waren 1764 fertiggestellt, wie aus dem Abschlussbericht des Abts Ming Shui (明水) hervorgeht. Der hier gezeigte Satz, der vor ca. 100 Jahren in China erworben wurde, ist singulär: Jeder Luohan ist zusätzlich mit einer tibetischen Beschreibung versehen. Den letzten Luohan ziert noch ein tibetischer Kolophon, ein Segensspruch auf Sanskrit sowie ein mongolischer Schlußtext, in dem die feierliche Einsegnung der herbeigebrachten Darstellungen am 25.10.1777 durch den Reichslehrer Zhang Jia (lCang sKya Rol Pa'i rDo rJe) berichtet wird. Da die Steinschnitte während der Taiping Revolution (1851 - 1864) zerstört wurden, muss der vorliegende Louhansatz vorher entstanden sein, in Anbetracht des mongolischen Zusatzes wohl tatsächlich 1777. Die Steinabriebe messen 50 X 120 cm. Sie sind, wie in China üblich, als Rollbilder gefertigt, die 57 X 150 cm messen. Der ursprüngliche Name und seine Position finden sich oben links oder rechts, die neuen zweispaltig darunter. Das dazugehörige Gedicht ist dem Namen gegenüber eingraviert. Die tibetischen Verse sind unten in rot geschrieben. Die Schlusstexte finden sich auf der Darstellung des 16. Luohans.


Der 1. vormals 13. Luohan

Sanskrit: A?giraja

Guan Xiu: Yin Jie Tuo
???

Qian Long: A YingA Ji Da
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Tibetisch: Yan Lag 'Byung
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Text links oben:

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Der dreizehnte Ehrw�rdige Yin Jie Tuo.

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Jetzt wird der Ehrw�rdige A YingA Ji Da umgeschrieben
???
(und nimmt) den 1. Platz ein.

Text unten:

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Auf dem Himalaya
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(weilt der) edle Arhat Yan Lag 'Byung ,
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umgeben von 1300 Arhats ,
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die H�nde in Meditationshaltung gelegt. (Dir) sei Verehrung!
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F�r ein lebenslanges Vertrauen in den Lehrer und
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zur Ausbreitung der Lehre gew�hre (Deinen) Segen!