Auktion 783, Lot Nr. 1002

Voriges   Nächstes





























































Lot 1002
Titel Beckmann, Max 
Daten Leipzig, 1884 - New York, 1950
Maße 53,5x39,5x3cm
Beschreibung "Gesichter", 1919. Portfolio mit 19 Radierungen auf Bütten, in Orig.-Passepartout, in Orig.-Mappe mit Textbeilage (Einleitung von J. Meier-Graefe). Alle in Bleistift signiert und im Impressum nummeriert 4/60. Blindstempel: Marées-Gesellschaft. Mappenformat:
Zusatzinformation Die Mappe enthält: - 1. "Selbstbildnis 1918", 1918. Hofmaier, 137/II/B/b - 2. "Familienszene (Familie Beckmann)", 1918. Hofmaier, 127/B/b - 3. "Irrenhaus", 1918. Hofmaier, 135/III/B/b - 4. "Liebespaar I", 1916. Hofmaier, 88/II/B/b - 5. "Liebespaar II", 1918. Hofmaier, 126/II/B/b - 6. "Mainlandschaft", 1918. Hofmaier, 128/IV/B/b - 7. "Die Gähnenden", 1918. Hofmaier, 129/IV/B/b - 8. "Theater", 1916. Hofmaier, 89/III/B/b - 9. "Cafémusik", 1918. Hofmaier, 130/III/B/b - 10. "Der Abend (Selbstbildnis mit den Battenbergs)", 1916. Hofmaier, 90/III/B/b - 11. "Kreuzabnahme", 1918. Hofmaier, 131/II/B/b - 12. "Auferstehung", 1918. Hofmaier, 132/II/B/b - 13. "Frühling", 1918. Hofmaier, 133/II/B/b - 14. "Landschaft mit Ballon", 1918. Hofmaier, 134/II/A/b - 15. "Zwei Autooffiziere", 1915. Hofmaier, 84/B/b - 16. "Spielenden Kinder, Breitformat", 1918. Hofmaier, 136/II/B/b - 17. "Prosit Neujahr 1917", 1917. Hofmaier, 108/VI/B/b - 18. "Grosse Operation", 1914. Hofmaier, 81/VI/B/b - 19. "Selbstbildnis mit Griffel", 1918. Hofmaier, 105/II/B/b. 1Provenienz: Privatbesitz, Süddeutschland. Durch Erbschaft erhalten. 1Das Portfolio "Gesichter" kam auf Anregung des Kunstschriftstellers Julius Meier-Graefe zustande. Beckmann hatte ursprünglich geplant, zwei getrennte Mappenwerke zu veröffentlichen - eines mit Kriegsbildern und ein weiteres mit dem Titel "Welttheater", welches das Leben in der Metropole illustriert. Stattdessen stellte Julius Meier-Graefe aus bisher unveröffentlichten Kaltnadelradierungen, die Beckmann zwischen 1915 und 1918 geschaffen hatte, eine Folge zusammen, die 1919 bei der Marées-Gesellschaft erschien und von Franz Hanfstaengl in München gedruckt wurde. 1Die 19 Grafiken der Mappe "Gesichter" zeigen keine narrative Sequenz, sondern Szenen des Lebens in verschiedenen Momenten. Der Titel gibt den Blättern, die zunächst ein wenig zusammenhanglos erscheinen mögen, einen sinnvollen Zusammenhalt. In verschiedenen Größen und Formaten und mit unterschiedlichen Motiven spiegeln die Motive den bunt gemischten Charakter der menschlichen Existenz wieder: Kinder spielen Kriegsspiele, während blutige Soldaten auf Operationstischen liegen; unerreichtes Verlangen steht neben der leeren Freude der gekauften Liebe; Menschen sind gelangweilt und einsam, ob zu Hause oder in der Stadt, allein oder in der Menge. Die Bandbreite des Lebens, das sich zwischen Mann und Frau, in Familie und Gesellschaft, an öffentlichen Plätzen wie dem Theater oder Cafés oder in der Landschaft erstreckt, findet im Portfolio seinen Ausdruck. In diesem Zusammenhang meint "Gesichter" ganz einfach Gesichter der Zeit, Erscheinungsformen und Facetten des Lebens, die sowohl Menschen als auch Stadt und Landschaft umfassen. "Zum zweiten Spricht der Titel an, was für Beckmann Programm ist: Aus der amorphen, anonymen Masse des Lebens, besonders der Großstadtgesellschaft, einzelne Gesichter, das heißt einzelne Schicksale herauszugreifen, zu betrachten und für andere sichtbar zu machen - kurz: die Realität im Individuum zu fassen um sie nachvollziehbar zu machen. . Schließlich enthält der Titel noch eine weitere wichtige Komponente: Das 'Gesicht haben', also die Fähigkeit zur Vision, die seherische Gabe und Aufgabe des Künstlers. Beide Fähigkeiten - einerseits die Gesichter der Realität, oder vielmehr: die Realität in Gesichtern zu entdecken und auf Papier oder Leinwand zu bannen, andererseits aber Gesicht zu haben, Visionen zu entwickeln - machen erst in ihrem Zusammenwirken den großen Künstler" (Reinhard Spieler, "Gesichter 1914 - 1918", in: Max Beckmann Welttheater - das graphische Werk 1901 bis 1946", München 1993, S. 64. 1An den Beginn der Grafikfolge hat Beckmann sein "Selbstbildnis" von 1918 gestellt. Als mürrisch, abweisend und distanziert erscheinender Beobachter blickt er skeptisch den Betrachter an. Am Ende, die letzte Radierung ist das "Selbstbildnis mit Griffel" von 1918, ist aus dem unnahbaren Menschen ein interessierter Künstler geworden, der offen für seine Umwelt ist und mit dem Griffel seine Eindrücke festhalten und wiedergeben will.
Schätzpreis (EUR) 50000

Voriges   Nächstes