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Los *7

Manjushri - „Bodhisattva der Weisheit“

Schätzpreis:

40.000 € - 60.000 €

Zuschlagspreis:

380.000 €

Beschreibung:

Zentral-Tibet, Gebiet von Tsang, 1425 -1450
100 x 86 cm
Die Ikone in der Mitte dieses außergewöhnlichen Meditationsbildes zeigt den „Bodhisattva der Weisheit“ - Manjushri. Er wird als sanft, glorreich und wohltönend benannt, und erscheint in seiner ikonographischen Farbe: Goldorange. Manjushri gilt als die Verkörperung der unendlichen Weisheiten des Buddha. Eine Geschichte aus Buddha Shakyamunis Leben berichtet von Manjushris Begegnung mit einer Gruppe von Buddhasschülern, die Selbstbefreiung im Nirvana durch die Arhatschaft erreichen wollten. Er versuchte ihnen deutlich zu machen, dass das Erlangen der Buddhaschaft, entgegen der Bevorzugung der eigenen Erlösung, viel erstrebenswerter wäre. Er lehrte sie die mitfühlende Bodhicitta-Motivation, zum Wohle anderer. Die Schüler waren enttäuscht darüber ihr eigentliches Ziel gemindert zu sehen, und hegten Groll gegenüber Manjushri, und wehrten sich gegen Manjushris Bodhisattva-Weg. Die Folge davon war dass sie ihre bisherigen spirituellen Erfolge einbüßten, und die Arhatschaft verfehlten, ja sogar in einer niedrigeren Seinsform wiedergeboren wurden. Bodhisattva Vajrapani, der Zeuge der Belehrung durch Manjushri wurde und darüber erstaunt war, wandte sich an Gautama Buddha, den „Allwissenden“, und bat ihm Manjushris Vorgehen zu erklären. Buddha erwiderte ihm: „Was du gesehen hast, ist ein Beispiel für Manjushris große, mitfühlende Weisheit. Hätten diese Schüler Nirvana erreicht, dann hätte es Äonen gedauert, sie aus der Glückseligkeit ihrer eigenen Befreiung zu wecken, so dass sie zum Wohle anderer wirken könnten. Doch durch Manjushris Eingreifen wird der Eindruck des Bodhisattva Weges, wenn diese Schüler ihre leidvoll Wiedergeburt durchlitten und dadurch die schädlichen Wirkungen ihres Grolls und ihre Engstirnigkeit bereinigt haben, in ihrem Geist mit großer Kraft entstehen. In dem sie diesem Weg folgen, werden sie rasch die volle Erleuchtung erlangen, und so nicht nur sich, sondern auch zahllosen anderen, den höchsten Nutzen erweisen.“ Kraftvoll und höchst beeindruckend in seiner bewegten Haltung zeigt dieses Meditations-und Verehrungsbild den „Bodhisattva der Weisheit“- Manjushri. Seine Attribute sind Schwert und Buch. Das Flammenschwert durchtrennt die Schleier falscher Vorstellungen. Es unterscheidet zwischen der absoluten und der relativen Wahrheit, wie die Dinge in abhängiger Weise uns zu existieren scheinen, und in unabhängiger Weise tatsächlich existieren. Manjushris Schwert bietet Schutz vor den Ängsten die von dem karmischen Daseinskreislauf der sechs Bereiche des Lebensrades ausgehen, und aufgrund von Handlungen, entsprechend Ursache und Wirkung, in unglückliche Zustände führen. Das Schwert der Erkenntnis bietet auch Schutz vor Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit gegenüber anderen, die der Motivation durch Mitgefühl (Bodhicitta) das Wohlergehen derer zu erreichen, entgegenstehen. Das Buch das er auf dem Lotoszweig in der linken Hand hält - wobei die Spitzen seines Daumens und Ringfingers gleichzeitig den Zweig haltend sich berühren, und einen Kreis bilden (Leerheit) - repräsentiert Prajnaparamita, das Sutra von der Vollkommenheit der Weisheit. Es beinhaltet Buddhas tiefgründigste Erklärung der letztendlichen Natur der Wirklichkeit. Über Manjushri zu meditieren bedeutet sich mit der alles durchdringenden Einsicht, wie sie Buddha gewonnen hat, auseinanderzusetzen. Der „Weisheitsbodhisattva“ thront im Diamantsitz - mit übereinandergeschlagenen Beinen - auf einem altarähnlichen Tisch über einem Mondlotoskissen, Sinnbild der relativen Wahrheit. Da er als Bodhisattva - nach der Trikayalehre - im Samboghkaya erscheint, ist er in feine golddurchwirkte seidene Kleider gehüllt, und trägt die malerisch sorgfältig gestaltete fünffache Krone der “Weisheiten der Tathagatas“, sowie den kostbaren sechsfachen Schmuck der Tugenden: Ringe an Armen und Beinen bedeuten: Hingabe, Gürtel - Sittlichkeit, Ohrschmuck - Geduld, Halskette - Stärke, Krone - Versenkung, Asche und Brahmaschnur - Einsicht (prajña). Manjushri tritt in diesem Verehrungsbild in der Trinität der Schützer der Lehre auf, zusammen mit den Bodhisattvas Vajrapani und Padmapani Lokeshvara. Vajrapani, in seiner blauen Farbe, verkörpert: Kraft; und Padmapani in weiß: das Mitgefühl. Weisheit, Mitgefühl und Stärke sind unerlässliche Tugenden auf dem Weg zur Buddhaschaft - das Leitthema dieses Meditationsbildes. Das anzustrebende Ziel ist in der Ikone des Buddha Shakyamuni, in der oberen linken Ecke dieses Bildes, vorgegeben. Rechts erscheint der „Buddha der Zukunft“ - Maitreya, in seinem Tushita-Himmel. Er ist die Verkörperung der Güte. Zwei weitere Bodhisattvas begleiten den Medtierenden auf seinem Heilsweg zur Buddhaschaft. Links erscheint ein Bodhisattva von blauer Farbe, und den Attibuten: Schwert und Buch auf Lotoszweigen, eine weitere Emanation Manjushris (schwarzer Manjugosha?). Gegenüber zeigt sich die “Göttin des Wissens und der Musik“ - Sarasvati, mit einer „Knickhalslaute“ in den Händen haltend. Im unteren Bereich sind kraftvolle Schützer aufgestellt, die dem Meditierenden auf dessen Weg Hindernisse beseitigen und negative Kräfte abwehren sollen. Links tritt, auf zwei Hindergeister in menschlicher Gestalt, der kraftwirkende Yidam Hayagriva hervor, mit drei Gesichtern und sechs Armen. Aus dem Haar leuchten drei grünfarbene Pferdeköpfe. Danach folgt eine Emanation des Vajra vidarana, eine Glocke mit Vishvavajra-Griff, und das Vishvavajra (Doppelvajra) in Händen haltend. In der Mitte erscheint der rauchfarbene, zornvolle König Ucchusma (tib. Khro-bo‘i rgyal-po), dreigesichtig, mit den Waffen (r): Doppelvajra, fünfstrahliges Vajra, Vajrahaken; (l) Vajrakeule, Vajraseil, die unterste Hand zeigt eine Drohgeste. Nach rechts folgt der blaue Kataridhara-Mahakala, mit einem Gesicht, dem Weisheitsauge und zwei Händen mit Sichelmesser und Schädelschale. Als letzte Darstellung folgt die allmächtige und furchterregende Schützerin Palden Lhamo, auf ihrem Maultier reitend. Sie hat ein Gesicht und vier Arme. In ihrer oberen Hand (r) hält sie ein Schwert, und in ihrer unteren einen Weihepfeil (l). Gleichzeitig umfasst sie mit beiden oberen Händen den Rand einer Elefantenhaut, und von Ihren Schultern herab hängt eine abgezogene Menschenhaut. Über den nabelschnurartigen geschwänzten Glückswolken, inmitten weißer, geschichteter Wolkenformationen, schweben zwei Opfergöttinnen die aus goldenen Opfergefäßen gesegnetes Wasser auf die heilige Versammlung hernieder regnen lassen. Die, den leuchtend lapisfarbenen Hintergrund auflockernde Ornamentierung der Malerei, und die zarten goldgehöhten Streublümchen, verleihen dem Verehrungsbild eine festliche Stimmung. Tempera und Gold auf Baumwollgewebe; Rückseite: Zeichnung eines Stupa in roter Farbe, mit Inschriften und Weihungen in schwarzer Tusche, u.a. bzod pa dka' thub bzod pa dam ma ni / mya ngan 'das pa mchog ces sangs rgyas gsung /
rab tu byung pa gzhan la gnod pa dang / gzhan la 'tshe ba dge sbyong ma yin no /
Was das Aushalten und nicht Aushalten von Entbehrungen betrifft, so spricht der Buddha aus dem höchsten Nirvana: „Wenn du kein Mönch bist, lege das Mönchsgelübde ab hinsichtlich Schaden anzurichten und Behinderung zu verursachen“ und weitere Sanskrit-Inschriften. Diese Malerei besaß ursprünglich eine trapezförmige Einfassung, an den beiden Schmalseiten oben und unten montiert, in der Tradition der Zeit. Die an den Längseiten befindlichen Einstichlöcher rühren von einer späteren Einfassung.
Ehemals Sammlung Juelemann, von Joachim Baader in den späten 1990er Jahren aus dieser Sammlung erworben - Deutsche Privatsammlung
Literratur: The Great Stupa of GYANTSE - A complete Tibetan Pantheon of the 15th Century; Franco Ricca & Erberto Lo Bue; Serindia, London, 1993. Himalayas - An Aesthetic Adventure; Pratapaditya Pal, Amy Heller, Oskar von Hinüber and V. Vajracharya; The Institute of Chicago, University of California, Mapin Publishing; 2003: p. 234-235 David P. Jackson, The Nepalese Legacy in Tibetan Painting, Rubin Museum of Art, New York, 2010: 231ff, 146ff
Kleine Abriebe der Malerei und wenige kleine Restaurierungen des Bildträgers, part. etwas fleckig