Los 724
Schild ''vasem'' aus Mangrovenholz
Schätzpreis:
800 € - 1.200 €
Beschreibung:
Papua Selatan (Neuguinea West-, Zentral-, Republik Indonesien), AsmatH.199 cm
Andeutungsweise spitzovaler, leicht gebogener Schild vasem der Asmat aus Papua Selatan. Die leicht gebogene Form folgt dem gespaltenen Stamm, aus dem der Schild integral gefertigt ist. Die Basis ist abgeflacht. Die vordere Ansicht (dem Gegner zugewandt) ist im flachen Relief mit abstrakten, doppelt symmetrisch angelegten eckigen Formen beschnitzt und mit roter und weißer Farbe (Ocker, Kalk) gefasst. Das Kopfstück zeigt „Augen“, die einen Hinweis darauf bieten, dass der Schild als „Person“ bzw. alter ego des Besitzers aufgefasst wird. Die Motive auf der Vorderseite werden als Gruppierung abstrahierter Menschenfiguren interpretiert, die entweder Opfer der ritualisierten Kopfjagd oder aber Ahnen des Trägers sind. Eine andere Interpretation ist die Auslegung als stilisiertes „Welt-Dorf“ oder als Weg des Initianden in die Jenseitswelt und zurück; entsprechend dem Orpheus-Mythem und den eleusinischen Mysterien aus der klassischen Antike, die das Thema der Erneuerung von Leben im Rahmen zyklisch wiederholter Rituale zum Thema haben. Aus diesem Grund dürfen nur initiierte Männer diese Schilde besitzen oder auch nur sehen. Die unbeschnitzte, rauh belassene Rückseite hat einen integral herausgearbeiteten Griff. Schilde dieser Art wurden früher bei Stammesfehden zum Zweck der rituellen Kopfjagd getragen, ansonsten werden sie in Männerhäusern eingelagert und hoch geachtet. Im Rahmen von Bestattungsfeierlichkeiten werden sie oft rituell beschädigt oder zerstört. Schilde dieser Art wurden früher bei Stammesfehden zum Zweck der rituellen Kopfjagd getragen, als Angriffswaffen dienen hierbei mit Wurfbrettern geschleuderte Speere (jukaim, fum), Keulen und Dolche aus Menschenknochen. Bei Kämpfen werden die Schilde wegen der Größe teilweise auf den Boden aufgesetzt. Die materielle Kultur der Jagd und Fischfang betreibenden Asmat zeichnet sich durch aufwendige Schnitzereien und eine Meisterschaft in der Bearbeitung organischer Materialien aus. Für Nutzwerkzeuge werden die nibung-Palme (Grabstöcke, Bögen, Pfeilspitzen, Speere), Mangroven (Bauholz und Kampfschilde) sowie die nipa-Palme (Matten und Elemente für Dachbedeckungen) genutzt.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung, erworben in den 1980er Jahren - Partiell Gebrauchsspuren und kleine Best.


