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Los 866

Lemonnier, Anicet Charles Gabriel

Schätzpreis:

40.000 € - 60.000 €

Ergebnis:

207.200 € inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Rouen 1743 - Paris 1824
139 x 204
König Franz I. v. Frankreich präsentiert 1518 das Gemälde "Die heilige Familie" von Raffael in der Galerie de Diane im Schloss von Fontainebleau. Öl/Lwd., doubl., unten links bezeichnet und datiert 1814.
Bei dem hier vorgestellten Gemälde handelt es sich um ein Auftragswerk von Kaiserin Josephine für das Schloss in Malmaison. Nach deren Tod ging das Gemälde in den Besitz ihres Sohnes, Prinz Eugène de Beauharnais, Herzog von Leuchtenberg über. Fortan in der Familie von Leuchtenberg im Erbgang weitergegeben; Nachlassauktion Herzog Georg von Leuchtenberg, Schloss Seeon bei Hugo Helbing, München 28./29. Juni 1934, Lot 421; Kunsthandlung B. Koestler, Maximilianstr. 28, München 1963 und dort von der Familie des heutigen Eigentümers erworben. Art Loss Zertifikat liegt vor. Für das Gemälde liegt eine Leihanfrage des Musée National des Chateaux de Malmaison vor, es soll in der Ausstellung "Joséphine face à l’histoire" im Frühjahr 2027 gezeigt werden.
Das Gemälde wurde als Radierung von Jean-Pierre-Marie Jazet (1788-1871) gestochen, und in Le siècle de François 1er, époque 1518 et Le Siècle de Louis XIV, époque 1683, notices publiées en 1822, Paris, imp. Bailleuil veröffentlicht. Es sind dreiunddreißig Personen in der Galerie anwesend, gemäß einer historischen Quelle handelt es sich um: auf der rechten Seite des Gemäldes der Hofstaat der Königinnen: Louise de Savoie, Königinmutter, die Herzogin von Angoulême, Regentin während der Gefangenschaft des Königs, Claude de France, Ehefrau des Königs, und Marguerite de Valois, Königin von Navarra, Schwester des Herrschers. Danach folgen vier Hofdamen: Diane, Dame von Claude de France, Anne Boleyn, zukünftige Königin von England, Madame du Heilly, Herzogin von Etampes, Mätresse von François I. und schließlich Françoise de Foix, Gräfin von Chateaubriand, ehemalige Mätresse des Königs. Hinter dem Herrscher Chabot, der ihn erzogen hatte, der Connétable de Bourbon und zwischen den beiden Thomas More und Clément Marot. Neben ihnen steht Kanzler Duprat, Gaspard de Coligny, der Vater des Admirals, der Architekt Serlio und der Maler Jean Cousin. Schließlich vervollständigen Bayard, Bonnivet, Anne de Montmorency, Budé, Primatice, Le Rosso, Kardinal Bembo, Sekretär von Papst Leo X., Sadolet, Professor für Rechtswissenschaften, Jean Goujon und Rabelais das Ensemble. Lemonnier hat dieser Komposition zwei Wachen und zwei Pagen hinzugefügt. Der Verfasser der Quelle fügt hinzu, dass „man nicht weiß, ob man die Komposition oder die Ausführung mehr schätzen soll”. Er kam zu dem Schluss, dass man vom „reinen und leuchtenden Farbenspiel” verzaubert sei und dass die „Gesichter voller Leben und Wahrheit erscheinen”. (Vgl. auch Christine Le Bozec, Lemonnier, Un Peintre en Révolution, Rouen 2000, S. 120/121).
Das Gemälde ist mehr als eine reine historische Darstellung - es ist eine Hommage an die italienische Renaissance und deren Einfluss auf die französische Kultur. Franz I. war ein großer Förderer der Künste und holte Künstler wie Leonardo da Vinci an den französischen Hof. In diesem Licht wirkt die Szene wie eine symbolische Übertragung der künstlerischen Exzellenz aus Italien nach Frankreich. Zugleich reflektiert Lemonnier den Geist des Neoklassizismus und der Aufklärung, in dem Kunst als Träger von Wissen, Macht und Zivilisation verstanden wird.