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Los 40

Die tantrischen Gottheiten Hevajra und Nairatmya in liebender Vereinigung

Schätzpreis:

4.000 € - 6.000 €

Zuschlagspreis:

13.000 €

Beschreibung:

Tibet, 18. Jh.
67 x 45 (145 x 70,5) cm
Tempera und Gold auf Baumwollgewebe, kostbare, originale Brokateinfassung, mit zwei eingewebten Phönix-Vögeln und dem Zeichen für „Langes Leben“. Hevajra, trägt auf jedem seiner acht Häupter eine Schädelkrone in Verbindung mit den fünffachen Kronen der Tathagatas. Die fünffache Krone weist auf die Überwindung der fünf Geistesgifte: Zorn, Gier, Unwissenheit, Eifersucht und Stolz, die durch die Weisheiten der fünf Buddhas (Tathagatas) in positive Tugenden transformiert werden. Mit zwei Beinen steht er ausschreitend, und mit zwei weiteren angewinkelten Beinen tanzend auf vier übereinanderliegenden Körpern über einem Lotusthron. Dabei handelt es sich um vier Hindugötter: Brahma, Rudra, Upendra und Indra, die von Hevajra überwunden wurden Seine vier Beine symbolisieren die vier kommunikativen Eigenschaften: Geben, Loben, Verständnis und Tatkraft. Die acht unterschiedlich farbigen Gesichter, versinnbildlichen die acht geistigen Errungenschaften eines Erleuchteten. Ihr Ausdruck ist verschieden: der des obersten grauen Kopfes ist zornvoll und von Flammen der Weisheit umlodert. Seine rotumrandeten Augen symbolisieren Liebe und Mitgefühl. Das dritte Auge in allen Gesichtern symbolisiert die Vereinigung von Mitgefühl und Weisheit, und die Dreizahl der Augen jedes Gesichts weist auf seine klare Erkenntnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Hevajra schaut seiner Weisheitspartnerin (prajna) lächelnd in die Augen und hält sie in Liebesvereinigung (yab-yum) umschlungen. Die liebende Vereinigung des Götterpaares ist Symbol für die Unio mystica, die mystische Vereinigung von Methode - in Gestalt des Gottes, und Weisheit oder Einsicht in das Leere von Allem - in Form der Göttin. Ihr Name lautet Nairatmya "die ohne Ich ist". Sie verkörpert die höchste Weisheit, die alle Anhaftung abgestreift hat, und frei von jedem Begehren ist, wofür Kultmesser und die blutgefüllte Schädelschale in ihren erhobenen Händen ein Zeichen sind. Hevajra hält in seinen acht Händepaaren jeweils eine Schädelschale, in denen links acht Gottheiten und rechts sieben Tiergestalten und ein Mensch thronen. Es handelt sich in den Haupthänden um den schwarzen Erdgott und einen weißen Elefanten, in den folgenden Händepaaren, von von unten nach oben, um den gelben Reichtumsgott Vaishravana und eine Ratte, den dunklen Todesgott Yama und einen Greif, den roten Sonnengott und einen Menschen, den weißen Mondgott und ein Kamel, den grünen Windgott und einen Stier, den roten Feuergott und einen Esel, den weißen Wassergott und ein Pferd. Hevajras rechte Hände mit den Tieren sind Ausdruck seiner Aktivität, die linken Hände mit den Gottheiten Ausdruck seiner Weisheit.
So versinnbildlicht Hevajra die Vereinigung und Aufhebung aller Gegensätze, indem seine sich in Bewegung vorzustellenden Hände die jeweiligen Polaritäten miteinander verbinden. Die Schädelschalen in denen Tiere und Gottheiten thronen symbolisieren die "sechzehnfache Leerheit" aller Erscheinungen. Hevajras zerstörerischer Aspekt - aus Mitgefühl - wird erkennbar, indem er mit seinen zwei Füßen auf vier Gottheiten steht, und sie symbolisch seiner Herrschaft unterwirft. Diese vier hohen hinduistische Gottheiten sind als Metaphern der vier Maras, den hindernisverursachenden Teufeln, und den vier Grundübeln gleichgesetzt, die die Götter, Heroen, Menschen, und Tiere ans Dasein fesseln, und immer wieder in den Kreislauf der Wiedergeburten (samsara) zurückfallen lassen. Die stufenweise Visualisation von Hevajra und die erlebnishafte Vereinigung mit ihm dient dazu, in einem einzigen Leben Befreiung zu erlangen. Das spirituelle Programm das dem Meditierenden hier vorgegeben ist, bedarf, aufgrund seiner Komplexität, vielerlei Unterstützung. Im oberen Bereich des Meditationsthangkas sind, neben dem blaufarbenen Urbuddha Vajradhara (oben Mitte), zahlreiche Patriarchen und geistliche Lehrer der Sakya-Tradition, der diese Belehrungspraxis angehört, versammelt. Diese liefern die spirituellen Vorgaben aus dem Dharma. Im mittleren Bereich, in der Höhe der zentralen Darstellung, sind Yidams verschiedener Art dargestellt. Da erscheinen die Gottheit Guhyasamaya (yab-yum), mit drei Häuptern; darunter der neunköpfige Yamantaka (yab-yum); darunter die rotfarbene Naro-Dakini, und weiter unten der blaufarbene Vajrapani (?), mit vier Armen, Vajra und ein Vajraseil in den beiden oberen Händen haltend. Gegenüber ist der dreigesichtige Cakrasamvara (yab-yum) zu erkennen; darunter die rotfarbene Dakini Kurukulla mit vier Armen; darunter folgt eine rotfarbene Gottheit in Vereinigung mit einer ebenso rotfarbenen Dakini; dann folgt weiter unten die rotfarbene elefantenköpfige Hindu-Gottheit Ganesha. Alle diese Gottheiten gewähren dem Meditierenden auf seinem spirituellen Weg Beistand und Unterstützung mit ihren spezifischen Weisheiten und Kräften. Im unteren Bereich der Malerei sind eine Gruppe von fünf Initiations-Dakinis (Mitte) und zahlreiche mächtige Schützer aufgereiht, die ebenfalls dem Meditierenden Schutz und Hilfe angedeihen lassen.
Bedeutende deutsche Privatsammlung, in den 1970er und 80er Jahren gesammelt, großteils bei Schoettle Ostasiatica, Stuttgart erworben
Etwas rest. und berieben, Seidenmontierung teils verblasst, Altersspuren

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