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Los 57

Seltenes Applikationsthangka mit der Darstellung des „Kostbaren Guru“ Padmasambhava

Schätzpreis:

8.000 € - 12.000 €

Zuschlagspreis:

28.000 €

Beschreibung:

Bhutan, 18./ 19. Jh.
61 x 50 cm (130 x 85 cm mit Montierung)
Brokate, Seidensatin, Stickerei mit Goldfäden; originale Seidensatin-Einfassung, mit Bija, Schutztuch aus gebatikter Seide. Guru Padmasambhava (8.- 9. Jh. n. Chr.) oder der "Kostbare Guru", wie der große indische Gelehrte und Magier von den Tibetern auch genannt wird, gilt in der tantrischen Tradition des tibetischen Buddhismus, als der zweite Buddha unseres gegenwärtigen Zeitalters. Er wird, nach der Trikaya-Lehre, als eine Emanation des Buddha Amitabha und des Bodhisattva Avalokiteshvara verehrt. Unter dem tibetischen König Thrisong Detsen (844-790 v. Chr.) führte Padmasambhava die Einführung des Buddhismus im Schneeland der Vollendung zu, die bereits der berühmte indische Gelehrte Shantarakshita (725-788 n. Chr.) begonnen hatte. Padmasambhava ermöglichte, besonders aufgrund seiner magischen Fähigkeiten, die Gründung des ersten buddhistischen Klosters Samye, und der ersten Mönchsgemeinschaft Tibets, welche zuvor immer wieder durch Dämonen behindert wurden. Da Padmasambhava in seinen Fähigkeiten und in seinem Wissen seiner Zeit weit vorauseilte, verwahrte er seine Lehren als geistige Schätze (gTer ma) an geheimen Orten. Diese wurden Generationen später durch die sogenannten Schatzentdecker (ter-tön) aufgefunden und den Gläubigen zugänglich gemacht. Eine dieser Lehren, über den nachtodlichen Zustand, ist weit über die Grenzen Tibets hinaus bis in den Westen unter dem Titel: "Das Tibetische Totenbuch" bekannt geworden. In diesem Thangka wird Padmasambhava in seiner ikonographisch gebräuchlichsten Darstellungsweise gezeigt. In seinen verschiedenen Emanationen trägt Padmasambhava unterschiedliche Hüte. Zusammen mit dem königlichen Brokatumhang bekam er von dem König des Landes den als padma-mthong-sgrol bezeichneten Hut, mit dem er generell, wie hier im Bild, dargestellt wird. Der Name des Hutes leitet sich von der Vorstellung her, durch bloßes Anschauen erlöst zu werden. Aus fünf Stoffteilen bestehend, symbolisiert er eine Lotosblume, weshalb er auch als "Fünf Blätter besitzend" bezeichnet wird. Die Aussenseite des Hutes wird mit der visuellen Meditationsstufe, und der innere Hohlraum mit der vollendeten Meditationsstufe gleichgesetzt. Seine drei nach oben gerichteten Blätter stehen für den Trikaya. Der fünffarbige Hutrand deutet auf sein Wirken als Verkörperung der Fünf Buddha-Familien. Auf dem vorderen Lotosblatt des Hutes sind eine Sonne und eine Mondsichel dargestellt, die seine Verwirklichung von "Methode" (Mondsichel) und "Höchstem Wissen" (Sonne) anzeigen sollen. Das blaue Band gilt als Symbol für seine zahllosen Gelübde, und der auf der Hutspitze befindliche halbe Vajra als ein Zeichen für die Unerschütterlichkeit seiner Meditation. Die auf den Vajra aufgesteckten Geierfedern weisen darauf hin dass er das höchste Ziel der Atiyoga-Übungen, und der höchsten Erkenntnis erlangt hat. Vor seinem Herzen hält Padmasambhava in drohender Fingerhaltung (zur Abwehr negativer Einflüsse) das Diamantszepter, und im Schoß die Schädelschale. In der linken Armbeuge lehnt der mythische Stab, Khatvanga, zusammengesetzt aus: Dreizack - der symbolisch die drei Wurzeln allen Übels: Geiz, Hass, und Stolz vernichtet; die drei Schädel der drei Zeiten; goldene Lebenswasservase; Doppelvajra und Seidenbänder. Der symbolreiche Ritualstab ist Sinnbild der Einheit von Glückseligkeit und Leerheit, und steht für die liebende Vereinigung (yab-yum) mit der spirituellen Partnerin. Im Diamantsitz thront er auf einem Mondlotos der aus dem Urozean emporwächst, als Hinweis auf die Reinheit seiner Geistnatur. Links und rechts stehen seine beiden Schülerinnen Mandarava und Yeshe Tsogyal. Sein Haupt umgibt eine grünsrahlende Gloriole. Die Aura des Guru wird von allegorischen Tieren gebildet, die die Tugenden eines Weltenherrschers symbolisieren. Über dem Guru erscheint Buddha Amitabha, zwischen Sonne und Mond. In der linken oberen Ecke thront der Bodhisattva Avalokiteshvara-Padmapani auf seinem Mondlotos, einen Lotosstängel in der rechten Hand haltend. Ihm gegenüber erscheint der erste König von Bhutan Shabdrung Ngawang Namgyel (?) (geb. 594 in Lhasa/Tibet, verstorben: 1651 in Punakha/Bhutan). Unten links erscheint ein Tsan-Dämon, umhüllt von lodernden Flammen, und gegenüber, in schwarzen Rauch gehüllt und auf einem Maultier reitend, die mächtige Schützerin Palden Lhamo (?), hier Pfeil und Bogen haltend. In der Mitte unten thront auf einem Altartisch ein Patriarch der Drugpa Schule Bhutans. Bei diesem Thangka handelt es sich um eine außergewöhnliche Klosterarbeit!
Bedeutende deutsche Privatsammlung, in den 1970er und 80er Jahren gesammelt, großteils bei Schoettle Ostasiatica, Stuttgart erworben
Vgl. Therese Tse Bartholomew and John Johnston, The Dragons Gift, The sacred arts of Bhutan; Serindia, 2008, Nr. 87 - Bhutan - Heilige Kunst aus dem Himalaya, Museum Rietberg, Zürich, 2010, Nr. 6, S. 28-29
Minim. Altersspuren

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