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Los 612

Darstellung des mächtigen Yidam Vajrabhairava/Yamantaka

Schätzpreis:

900 € - 1.500 €

Ergebnis:

2.335 € inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Tibet, 19. Jh.
66,8 x 43,6 (116,3 x 72,9) cm
Tempera und Gold auf Baumwollgewebe, originale Brokateinfassung. Vajrabhairava ist eine der wichtigsten Meditationsgottheiten im tibetischen Buddhismus, dem ein eigenes Tantra aus der Klasse der "höchsten Tantras" - das Anuttaratantra - zugeteilt ist. Dieser Yidam wird besonders in der Gelugpa-Tradition verehrt, der auch in der Mongolei praktiziert wird. Dort lautet sein Name Yamantaka, er ist identisch mit Vajrabhairava. Es heißt, der Unterschied bestehe darin, dass Yamantaka für die mongolischen Glaubensanhänger leichter auszusprechen sei, als der tibetische (A. Berzin). Als mächtige Schutzgottheit, wird er in allen Schulen des Lamaismus verehrt. Als Yamantaka, „der dem Yama ein Ende setzt" kämpft er gegen alle widerstrebenden Kräfte und gegen die Feinde der Religion. In dieser Gestalt ist er eine aktive Form des Manjushri, des Bodhisattva der Weisheit, der sich in eine stierköpfige Gestalt mit neun Köpfen und vielen Gliedmaßen verwandelte, um den rasend gewordenen Yama zu überwinden und ihn als Schützer des Dharma einzusetzen. Die furchteinflößende Erscheinung Yamantakas, des Überwinders des Todes, und gleichzeitig der Wiedergeburt - in dem er die Unwissenheit, die Ursache des ständigen Verharrens im Kreislauf der Wiedergeburten bekämpft - ist neungesichtig, mit vierunddreißig Armen und sechzehn Beinen. Seine Arme lässt er wie ein Waffenrad, bestückt mit vierunddreißig verschiedenen Waffen sinnbildlich um sich kreisen. Das bedeutet dass die Waffen dafür gedacht sind, unsere Selbstbezogenheit, das Greifen nach unserem Selbst, unsere Illusionen und Konzepte zu überwinden. Diese sind die eigentlichen Schadensstifter. Die vierunddreißig Arme und die Attribute in deren Händen sind Symbole der vierunddreißig Erleuchtungsbestandteile. Rechts: Elefantenhaut, Elefantenhaken, Wurfpfeil, Totenkopfkeule, Mörserstößel, magischer Stab, Phur-ba, Blitz, Wurfspieß, Diamantszepter, Diamantaxt, Diamanthammer, Muschellanze, Schwert, Speer, Doppeltrommel, Hackmesser, (mittlere Hände); links: Elefantenhaut, Menschenhand, Brahmakopf, Schleiertuch, Rad, gepfählter Menschenkörper, Menschenbein, Herd mit Glut, Fangschlinge, menschliches Skalp, Kampfbogen, Menschenhand, Gedärm, Stab mit Bändern, Glocke, Fächer, Schädelschale (mittlere Hände). (Die einzelnen Attribute, und Darstellungen unter den Beinen und der Hände, sind einem ikongraphischen Beschreibungstext entnommen und können von dieser Darstellung abweichen). Yamantaka sieht furchterregend aus um die Feinde des Dharma abzuwehren. Der unermessliche Zorn der Gottheit richtet sich nicht gegen den Betrachter oder Meditierenden, sondern gegen dessen Unwissenheit und Hindernisse. Gleichwie eine Mutter und ein Vater im Zorn ihr Kind zur Aufmerksam ermahnt. Dies geschieht jedoch auf der Basis von Mitgefühl und fürsorgender Liebe zur Weiterentwicklung. Das friedliche Gesicht an der Spitze, das Gesicht des Manjushri (der in der oberen linken Ecke der Malerei dargestellt ist), zeugt von Yamantakas innerer Geistesruhe, trotz seines rasenden Zornesausbruchs. Des Yidam Augen, Brauen und Bart flammen auf. Er überwältigt mit seiner Energie selbst die schrecklichsten Dämonen. Seine Stimme gleicht dem Rollen des Donners. Die Kronen seiner Häupter bilden jeweils fünf weiße, ausgebleichte Menschenschädel. Von seinem Hals herabhängend trägt er eine Girlande aus fünfzig frisch abgetrennten Menschenköpfen, zum Zeichen der Überwindung der Leidenschaften, und eine Kette aus getrockneten Schädeln. Er ist von gewaltiger Statur, sein Bauch ist groß, und seine Nacktheit zeigt, dass alle Dinge ungeboren bleiben. Sein Penis ist stets erigiert und verweist auf die Verbundenheit mit der höchsten Seligkeit. Die linken Beine sind ausgestreckt, die rechten angewinkelt. Er trampelt auf einer Reihe von Menschen und Tieren herum, Sinnbild der von ihm überwundenen Feinde, als Symbole der Nicht-Substanz. Die Darstellungen, entsprechend der Ikonographie, unter den rechten Beinen sind: Mensch, Büffel, Elefant, Esel, Kamel, Hund, Schaf und Fuchs; unter den linken Beinen: Geier, Eule, Krähe, Papagei, Reiher, Hahn und Schwein. Überwältigend scheint die Wirkung dieser mächtigen Gottheit auf den Meditierenden zu sein. Um den gewaltigen Anforderungen und der Meditation über die auftretenden Hindergeister, und deren wirksame Bekämpfung Wirkung zu verleihen, und die Ich-Bezogenheit aufzulösen, bedarf es sowohl spiritueller als auch schützender Energien. Daher befindet sich am Scheitelpunkt dieses Meditationsbildes Vajradhara in Vereinigung mit seiner Weisheitspartnerin Prajnaparamita, die die Vollkommene Weisheit verkörpert. Man nennt diese Position „Vater-Mutter-Stellung“, sie versinnbildlicht die Vereinigung höchsten Mitgefühls mit vollkommener Weisheit. Beide Gottheiten, Yab (männlich) und Yum (weiblich), halten in ihren Händen die Symbole Glocke und Vajra, sowie Sichelmesser und die Schädelschale mit dem Trank der Unsterblichkeit. Letztere befinden sich hinter dem Rücken des Partners. Links oben erscheint Manjushri, der „Weisheits-Bodhisattva“. Er hält Schwert und Buch als Attribute. Das Schwert zerstört die verwirrende Illusion an der Wurzel und das Buch symbolisiert die geistige Quelle des Mahayana-Pfades, den Text der prajnaparamita, der „Transzendierenden Weisheit“. Auf seinem Haupt trägt er die fünffache Krone, als ein Zeichen dafür, dass er im Besitz der fünf Weisheiten der Tathagatas ist, mit denen die fünf Geistesgifte verwandelt werden können. Daneben folgt Tsongkhapa, der Große Lehrer mit den gleichen Attributen, wie bei Manjushri. Sein wichtigstes Werk ist Lamrim - Der mittlere Stufenweg. Rechts von Vajradhara sitzt ein Mahasiddha (Naropa?) auf einem Gazellenfell mit einer Schädelschale in seiner rechten und einem Oberschenkelknochen als Blasinstrument in seiner Linken. Hinter ihm befindet sich ein kugeliger Trinkwasserkasten, nach indischer Tradition. Mahasiddhas sind spirituell Verwirklichte, aus den verschiedensten Schichten der Gesellschaft, die meist durch Dakinis ihre Unterweisungen erhalten haben, und diese auf oft unkonventionelle Art und Weise weitergeben. Diese sind meist sehr eindringlich und daher höchst wirksam. Rechts von dem Siddha erscheint ein weiteres mysthisches Paar - Vajrasattva, der “Reinigende Buddha“, mit seiner Weisheitspartnerin. Vajrasattva wird als der mystische Buddha der Initiationen in den Mandalas verehrt, und zur Reinigung negativen Karmas und Verfehlungen durch Körper, Rede und Geist angerufen. Vajrasattva erscheint in Begleitung seiner Yum Vajrasatvatmika, seiner geistigen Partnerin. Vajrasattva hält in seiner rechten Hand das Diamantzepter und in seiner linken die Glocke. Ihre Attribute sind Schädelschale und Sichelmesser. Der Vajra versinnbildlicht die diamantene Essenz der Lehre des Buddha, Symbol der Methode, mit welcher der Suchende die innere Selbstverwirklichung in der Erkenntnis der Leerheit zu erlangen sucht. Die Glocke mit ihrem alles durchdringenden Klang versinnbildlicht die Weisheit - das Ziel. Diese verschiedenen Attribute symbolisieren ein und dasselbe Gegenmittel: die Weisheit, die die Leerheit erkennt. Die Attribute von Vajradhara und Vajrasattva sind Identisch, sie werden nur anders gehalten. Die spirituellen Ziele der Meditation sind mit den Gottheiten im oberen Bereich der Malerei vorgegeben. Um diese zu erreichen sind im „weltlichen“ Bereich des Meditationsbildes vier kraftvolle Begleiter als Schützer dem Meditierenden beigegeben. Sie alle haben die Fähigkeiten, von Ich-Sucht, Verfolgung und Bedrängnis durch Dämonen, Abweichen von Gesetzen des Dharma zu befreien und materiellen und sprirituellen Reichtum zu erlangen. Bei den Schützern handelt es sich v.l.n.r. um: die mächtige Palden Lhamo; den „Großen Schwarzen“ Mahakala; den Yama, mit seiner Schwester Yami, dessen wichtigste Aufgabe das Richteramt über die Verstorbenen ist um ihre guten oder schlechten Taten zu bewerten, und ihnen die entsprechende Wiedergeburt in einer der sechs Welten zuzuweisen in der sie ihr Karma zu läutern haben, und ganz rechts den Weltenhüter und Reichtumsgott Vaishravana. Links, unterhalb des hochaufragenden Gletscherbergs, ist eine grausige Szene auf einem Leichenacker dargestellt. Dort zerlegen Geier einen menschlichen Leichnam, ein Schakal kommt hinzu und ein Leichnam ist an einen Baum gebunden. Vor einem weißen Stupa vollzieht ein Siddha ein Ritual mit einer Damaru und einer Kapala, und meditiert über die Vergänglichkeit des Seins, ein wichtiger Aspekt dieser Thangka-Meditation. Dieses Thangka eignet sich in seiner Direktheit und klaren Ausführung in hervorragender Weise als Meditationsbild zur Erlangung von Weisheit und Mitgefühl.
Aus einer süddeutschen Privatsammlung, vor 2007 erworben - Etwas berieben, kleinere Altersspuren