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Los 681

Behälter für Erbstücke und Schmuck, "hombung"

Schätzpreis:

3.000 € - 5.000 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Indonesien, Sumatra Nord-, Toba-Batak, 19. Jh.
H. 10,8 cm, B. 20,5 cm, T. 7,8 cm
Messing. Ein eleganter Behälter für Wertsachen mit Schiebedeckel, gekonnt mehrteilig in Gelbguss in verlorener Form gefertigt. Die Oberfläche ist mit Ornamentbändern verziert und teilweise poliert; sie zeigt eine schöne unbeschädigte Alterspatina. Hombung ist bei den Toba-Batak die übliche Bezeichnung für Truhen, in denen Erbstücke, Waffen, Schmuck und heilige Bücher aufbewahrt werden. Für gewöhnlich sind sie aus Hartholz. Eine Ausführung in Gelbguss, wie bei diesem kostbaren Exemplar, ist sehr ungewöhnlich und deutet auf die Verwendung durch eine hochrangige Person hin. Wahrscheinlich diente sie zur Aufnahme bedeutender Schmuckstücke, wie sie bei Hochzeiten und im Rahmen der Clan-Allianzen zwischen Adeligen und Clanvorständen ausgetauscht wurden. Metallene Prestigeobjekte, zu denen auch Messer, Tabakspfeifen und schwere Schmuckketten gehören, hatten inhärente spirituelle Bedeutung, die teilweise auch dem Material selbst geschuldet war. Der Behälter ist in den wesentlichen Gestaltungselementen der auf dem Toba-See üblichen Bootsform nachempfunden, wodurch die darin aufbewahrten Gegenstände eine astrale, jenseitige Bedeutung erhalten, denn Boote werden gemeinhin mit Seelenreise assoziiert. Die auf einem singa-Haupt kauernde Figur darf auch vor diesem Hintergrund mit Vorbehalt als Ahnen-Effigie gedeutet werden, die somit im übertragenen Sinn als Wächter für die kostbaren Objekte im Inneren des Behälters fungiert. Die beiden Seitenapplikationen des Behälters sind gleichfalls als stilisierte singa-Elemente ausgebildet. Der Kopf der Figur ist stark abgegriffen, was auf langjährige Benutzung hindeutet. Nordsumatranische Gelbguss-Arbeiten wie diese sind stets den Toba-Batak zuzuweisen. Die Beherrschung dieser Technik kann hier auf eine weit über 2000jährige Tradition zurückblicken. Schon Objekte aus Yunnan, einem mutmaßlichen Ursprungsgebiet der Batak-Kulturen, zeigen ähnliche Techniken.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Leichte Alters- und Gebrauchsspuren