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Los 712

Griff und Scheide eines Zeremonial-Kris "gayang"

Schätzpreis:

3.000 € - 5.000 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Sulawesi Süd-, Toraja, 18./19. Jh.
L. 45,5 cm/ H. 20 cm
Holz, Buntmetall. Seltene Montierung eines Zeremonial-Kris gayang, der für Bestattungszeremonien bei den Toraja auf Sulawesi von grosser Bedeutung war. Der Griff (hulu) besteht aus gegossenem Buntmetall und stellt eine in leicht geneigter Haltung auf einem stilisierten Sockel sitzende Person dar. Der hohe Status lässt sich an dem aufwändigen Brustschmuck und der hohen Haarkrone erkennen. Die Klinge ist nicht vorhanden; sie war in diesem Kontext meist von untergeordneter Bedeutung. Der Griff ist in verlorener Form gegossen und ist, wie die Scheide, als Toraja-Arbeit anzusprechen. Er hat Übermaß, ist sehr schwer bzw. starkwandig ausgeführt und war offenkundig nicht zum Tragen oder Gebrauch bestimmt. Im Inneren befindet sich ein wohl mit Dammarharz befestigter Holzkern, um die Klinge fixieren zu können. Die Griffbasis mit dem achtseitigen Basis-Element (selut) geht auf den Lotos-Thron hinduistischer Gottheiten zurück. Typisch für die Toraja-Adaption ist der Büffelkopf an der Basis, wo ursprünglich eine Lotusblüte oder abstrahierte yoni als kosmisches Ursprungssymbol üblich war. Die hölzerne Scheide (sarung) ist mit getriebenem Blech aus einer goldhaltigem (?) Legierung überzogen. Das Mundstück ist verbreitert und deutet eine Boots-Form an. Wenn der Kris bzw. gayang in der Schwertscheide steckt, entsteht dadurch die Konstellation einer Figur, die sich in einem Schiff bzw. Boot befindet. Das nimmt Bezug auf die Seelenreise des Verstorbenen. Das Mundstück der Scheide zeigt die stilisierte Darstellung von zwei Büffeln und einer menschlichen Person. Bei Toraja-Bestattungen war (und ist) es üblich, den Reichtum des Verstorbenen durch vielfache Büffelopfer im Rahmen der Bestattungsfeierlichkeiten zu dokumentieren. Das wird durch die Szene angedeutet. Das Blech des Klingenfutterals ist teilweise mit stilisierten floralen Motiven in Punzierung verziert, die ursprünglich eine idealisierte Landschaft symbolisieren.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Der Objekttyp gayang ist die Toraja-Adaption ostjavanischer Staats-krise aus dem 14. Jahrhundert. In dieser Zeit herrschte das ostjavanische Reich von Majapahit über weite Teile des indonesischen Archipels. Von der javanischen Zentralregierung wurden Staats-krise an die Fürsten der Vasallenstaaten von Makassar und Gowa in Süd-Sulawesi übergeben und symbolisierten deren Legitimation durch Java. Sie zeigen göttlichen bzw. gottähnlichen Status an, denn die Besitzer sahen sich als Nachkommen hindu-buddhistischer Gottheiten an und legitimierten dadurch ihre Herrschaft. Die Toraja haben diese prestigehaltigen Objekte in ihren vielschichtigen Bestattungskulten aufgenommen. Sie werden bei der Sekundärbestattung und den zyklischen Ahnen-Festivals den Toten bzw. Särgen (tongkonan) beigefügt und zeigen Status und eine bedeutende Ahnenreihe an. Die Ikonografie und der Schmuck der Grifffigur gehen auf hinduistische Fürsten- und Götterdarstellungen aus dem 13. und 14. Jahrhundert zurück. Die gelassene Haltung (lalita-sana) und die Handhaltung mit der Geste der Erdanrufung stellen ursprünglich einen Fürsten als Avatar Vishnus dar, der seine vergöttlichten Ahnen anruft - Minim. berieben, part. minim. rep.