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Los Y698

Haumesser "wedung" oder "golok"

Schätzpreis:

2.500 € - 3.500 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Indonesien, Bali, Mitte bis früheres 19. Jh.
L. 64,5 cm
Stahl, Buntmetall, Holz, Schildpatt. Ein sehr seltenes, elaboriertes Haumesser aus Bali. Schwere, einseitig geschliffene Klinge, Horngriff mit großem Knauf. Das Messer hat eine bauchige Klinge mit Ziergrube und geometrischen Messingeinlagen und einen asymmetrischen Querschnitt, der Klingen-Rücken ist mit makkara-Messingapplikation versehen (ein mythisches See-Ungeheuer aus den puranischen Epen, hier stilisiert). Der Griff ist mit elaboriert geschnitztem Knauf versehen, in „Farn“-Form, wahrscheinlich handelt es sich jedoch um ein abstrahiertes Fabelwesen nach malaiischem Vorbild (Vergleiche lassen sich mit Griffen aus Süd-Sumatra, Palembang, anstellen). Hinten hat der Griff den garuda mungkur (nach hinten blickender Garuda-Drachenvogel als unheilabweisendes Symbol). Scheide in sandang-walikat-Form mit verbreitertem Mund, Klingenfutteral mit Schildpatt belegt, Mundstück im Relief mit floralen Motiven beschnitzt und rot eingefärbt.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Haumesser in exakt dieser Art sind bereits an Bronze-Stabaufsätzen des 14. Jahrhunderts eine übliche Form und dürften auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken, die nach Süd-Indien zurückführt. Die Form ist mit dem nepalesischen kukri und den einwärts gekrümmten Schwertern verwandt, die in grischisch-römischer Zeit nach Indien kamen. Sie finden sich in ähnlicher Form im gesamten Archipel und auch auf den Philippinen, sowie auf dem festländischen Südostasien. Auf Tempelreliefs sind sie bis tief ins erste Jahrtausend zurückzuverfolgen. In dieser aufwendigen Form werden sie auf Bali bei Bestattungsritualen und Opfern getragen und benutzt. Die terminologische Abgrenzung zwischen golok und wedung ist unpräzise. Der wedung hat eine primär repräsentative Funktion - dann mit meist schlankerer, bauchiger Klinge - inne (wie in diesem Fall), während golok ein alltägliches Hackwerkzeug mit breiterer, vorderlastiger Klinge bezeichnet. Seit frühester historischer Zeit bis zur (zeitgenössischen) Fürstenländer-Periode ist der wedung Teil der zeremoniellen Hofkleidung