Los 685
Instrument, Laute
Schätzpreis:
600 € - 1.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Indonesien, Nord-Sumatra oder Nias, Kultur der Batak evtl. Ono Niha, 19./ frühes 20. Jh.L. 63 cm
Braunes, mittelhartes Holz; Deckplatte des Klangkörpers aus hellerem Holz, umlaufend kannelierte Rückseite mit annähernd schlüssellochartiger Öffnung (leicht bestoßen, Rand ausgebrochen), Saiten und Spanner fehlen. Die Form der Laute entspricht weitestgehend der hasapi der Batak. Stilistische Elemente, wie die Tierwesen und vor allem die Ausformung der Basis mit dem stilisierten Maul, deuten jedoch eventuell auf Nias hin. Die Laute ist am Endes des Griffbrettes von einer Figur mit starren Zügen gekrönt, welche von zwei katzenartigen Tieren (wohl Löwen) flankiert ist. Dieses Element ist atypisch und europäischen Einflüssen geschuldet. Selten wird der Ahnherr Sikanda (Alexander d.Gr.) mit Löwen dargestellt. An der Basis des länglichen, schlanken Klangkörpers ist ein stilisiertes geöffnetes Maul dargestellt, das Maul des Drachenwesens lasara, das symbolisch dem singa der Batak entspricht und dessen Rachen ein katzenartiges Tier entspringt oder von diesem gerade verschlungen wird. Das "Verschlingen" ist metaphorisch zu verstehen und symbolisiert "rites de passage" (nach Van Gennep), bei denen Lebenskraft geläutert und umgewidmet werden kann und durch die erst die vollwertige Mitgliedschaft zur Abstammungsgemeinschaft erreicht wird. Im Wesentlichen verkörpert dieses Motiv die Initiation.
Aus einer bedeutenden süddeutschen Privatsammlung, ab 1975 gesammelt
Wie bei allen metallzeitlichen Austronesiern ist auch bei den Batak und Ono Niha eine ausgeprägte Musikkultur existent. Wie auch die benachbarten Batak auf Sumatra, gelten auch die Niaser in Indonesien als engagierte Sänger und Musiker. Es gibt sogar eine moderne Musikrichtung, die als Batak-Rock bezeichnet wird (und eigene Labels unterhält). Es ist interessant, dass schon in den frühen Staaten in Südostasien (Funan-Reich) den Einheimischen von Südostasien durch chinesische Diplomaten und Händler eine außergewöhnliche Musikkultur bescheinigt wird, die sogar kaiserliche Förderung erfuhr. Bei den Missionaren wurde Musik hingegen teilweise verteufelt und verboten. Adepten waren teilweise aufgerufen, Instrumente zu zerstören - besonders die Trommeln gendang, die eine Trance-Wirkung hervorrufen konnten - Altersspuren, erg.


