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Los 704

Kampfschild "kalasag"

Schätzpreis:

1.500 € - 2.500 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Nord-Philippinen, Luzon, Bontoc (Igorot), 19. Jh.
H. 102,5 cm, B. 32 cm, T. ca. 15 cm
Holz, schwarzer Lack, Rattan. Typischer Kampfschild der Bontoc auf Luzon. Der Schild hat eine sehr gute Patina und eine anmutige Erscheinung. Die Bontoc waren früher auch unter den anderen Igorot als Krieger und Kopfjäger gefürchtet. Der typologisch unverkennbare, elegante Schild ist aus leichtem Holz aus einem Stück hergestellt, der Haltegriff ist in die ausgeprägte Wölbung des Schildes eingearbeitet. Lineare Elemente wie die gegenüberliegenden Kreissegmente in senkrechter Richtung sind als Verzierung eingearbeitet. Vier starke geflochtene Rattanstreifen in horizontaler Richtung verleihen dem Schild zusätzliche Stabilität. Schwarzer Lack wurde auf der Vorder- und Rückseite des Schildes aufgetragen. Basis und Oberseite sind eingekerbt, so dass die Gesamterscheinung einer stark stilisierten menschlichen Gestalt mit erhobenen Armen entspricht - ein Element, das auch anderen Schilden von den Philippinen eigen ist. Die Schilde werden dadurch zu alter ego ihrer Besitzer bzw. dieser Sachverhalt wird verbildlicht.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Die Schilde der Igorot sind grundsätzlich rechteckig und gehen auf den freihändig gehaltenen Parierschild zurück. Die ursprüngliche Form des Parierschildes war sehr wahrscheinlich der in der Mitte gehaltene Stock, mit dem man gegnerische Stock- und Schwerthiebe abwehren konnte. Ungeschützt blieb dabei die Hand, welche den Stock am Schwerpunkt umklammerte. Der nächste Schritt ergab sich, indem in einen dicken Parierstock auf der Rückseite ein Griffloch eingeschnitten wurde, wobei die Hand durch den dem Gegner zugewandten Bereich des Stockes geschützt wird. Schilde salawaku der Molukken sind dieser Form noch sehr nahe. Der Schild der Igorot ist eine hocheffiziente Schutzwaffe, die bestens für den Kampf Mann gegen Mann geeignet ist. Er ist groß genug, um den geduckten Körper dahinter zu schützen. Die oberen Zinken dienen dazu, dem Kopf Schutz bei gleichzeitig guter Sicht zu geben und den Speer oder die Axt des Gegners zu fangen und diesen durch Verkanten des Schildes zu behindern. Manchmal werden auch die Zacken zwischen die Beine des Gegners getrieben, um ihn zum Stolpern und zu Fall zu bringen. Die beiden unteren Zinken decken die Beine gegen Hiebe. Auch sie können die Waffen des Gegners binden. Angeblich wird der untere Einschnitt dazu benutzt, um einen gestürzten oder verwundeten Feind am Boden festzuhalten, um ihm den Kopf abzuschneiden. Diese Einschätzung dürfte aber eine fantasievolle westliche Auslegung sein; sie ist in der Praxis kaum umzusetzen.