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Los 666

Kugelspender paru-paru

Schätzpreis:

400 € - 600 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Toba-Batak, Nord-Sumatra, wohl 19. Jh.
L. 20 cm
Ein Kugelspender aus dunkel patiniertem Horn, wohl dem der sumatranischen Bergziege. Deren Horn gilt als nahezu unverwüstlich. Der hohle Korpus zur Aufnahme der Kugeln ist mit einem Deckel versehen und zeigt einseitig ein stilisiertes Gesicht. Der Korpus läuft in einen verlängerten "Schnabel" aus, den eigentlichen Kugelspender, der gewährleistet, dass die Kugeln wegen der federnden Beschaffenheit des Horns bei gleichzeitig leichter Entnahme dennoch gut gesichert sind. Der Kugelspender gewährleistete immer einen guten Überblick über die Zahl der noch verfügbaren Kugeln. Man konnte die Kugeln mit zwei Fingern bequem aus der federnden Öffnung ziehen. Das grundsätzlich menschliche Gesicht - an diesem eleganten Objekt die einzige Verzierung - wird als singa bezeichnet, obwohl das Gesicht nichts Zoomorphes hat. Die Form des Kugelspenders wird oft mit dem Schnabel des heiligen Nashornvogels in Verbindung gebracht, der die Kugel somit quasi „ausspuckt“. Horn (Berziege).
Aus einer bedeutenden süddeutschen Privatsammlung, ab 1975 gesammelt
Bei den Batak waren als Projektile Zinn-, Kupfer- und Bleikugeln üblich, die man in Specksteinformen goss. Eisenkugeln stellten wegen des höheren Schmelzpunkts eine größere Herausforderung dar; da sie aber dennoch in Gebrauch waren, ist anzunehmen, dass es sich um Gusseisen mit einem wesentlich tieferen Schmelzpunkt handelt. Teilweise wurden die Kugeln auch mit dem Hammer geformt.
Das Gewehr ist bei den Batak seit Jahrhunderten in Gebrauch und wurde wegen seiner meist enormen Größe und des Gewichts (als "Wallbüchse"; 10 bis über 30 kg sind die Norm) meist aus befestigten Stellungen heraus verwendet; bisweilen legte man in jahrelanger Vorbereitung sogar schützengraben-artige Vorrichtungen an. Batak-Siedlungen waren meist gut bewacht, nicht zuletzt wegen Sklavenräubern aus dem Padang- Hochland oder Aceh. Die Kunst des Gewehrschmiedens ist in Nord-Sumatra spätestens seit dem 16. Jh. bekannt; wahrscheinlich wurde sie über osmanische Einflüsse in den Archipel gebracht - Guter Zustand, kleine Bestoßungen