Los 672
Medizinbehälter "naga barsarang"
Schätzpreis:
1.000 € - 1.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Sumatra Nord-, Toba-Batak, spätes 19./ frühes bis mittleres 20. Jh.L. 34,5 cm
Der Medizinbehälter naga barsarang ist aus Horn hergestellt. Der Körper des Horns, der zur Aufnahme der Zaubermittel raja ni pagar oder pupuk ni pagar diente, ist flächendeckend mit einer geschwungenen Bandornamentik im Flachrelief bedeckt. Der Deckel zeigt einen stilisierten singa mit dem charakteristischen Dreigehörn, dessen Maul sich über eine hockende Ahnenfigur stülpt. Dieses Motiv deutet die Umwandlung von Seelensubstanz durch den singa, der die Jenseitswelt vertritt, und den Ahnen als Mittler zwischen den Weltebenen hin. Die in den meisten Fällen auf dem Haupt bzw. im Nacken des singa zu erkennende Opfer- oder Ahnenprozession ist hier in Form von fünf knieenden Figuren ausgeführt. Auf dem aufgereckten Schweif sitzt ebenfalls eine Ahnenfigur. Der singa hat hier zwei Beine - ein sonst selten anzutreffendes Element. Das Horn ist von hoher Qualität, zeigt jedoch bereits einen Stil, der von der städtischen Kultur Medans beeinflusst und exportorientiert ist.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Die in solchen Hörnern transportierten Zaubermittel, die zur Beseelung von Schutzfiguren und anderen Objekten von Bedeutung und auch für Heilzauber dienten, wurden aus unterschiedlichen Ingredienzen hergestellt, zu denen früher auch Bestandteile menschlicher Köpfe und Körper gehörten. Auf die Zubereitung des in den Hörnern transportierten pupuk, mit denen eine Statue zum Sitz eines Schutzgeistes pangulubalang gemacht werden konnte (de facto ein Beseelungsvorgang), und die das Töten und Enthaupten eines Menschen beinhaltete, gehen diverse alte Quellen ein (z. B. Rosenberg, 1854). Die mächtigen Hörner mussten vom Benutzer magisch „gefüttert“ und beopfert werden, um keine übelwollenden Kräfte freizusetzen. Hörner, die für touristische Zwecke und nicht vom datu (Priester) für den eigenen Gebrauch hergestellt wurden, sind dagegen meist kleiner und haben eine eher amorphe Patina, die mit schwarzer Farbe oder Teer erzielt wurde. Sie zeigen naturgemäß auch keine Gebrauchsspuren, die sich auch nur schwer imitieren lassen. Solche Hörner als „Exportware“ wurden schon im späten 19. Jahrhundert in größerem Stil produziert. Sie lassen sich meist recht eindeutig von „echten“, d. h. für den Gebrauch durch den datu vorgesehenen Stücke unterscheiden


