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Los 692

Medizinbehälter "naga marsarang"

Schätzpreis:

2.000 € - 3.000 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Indonesien, Sumatra Nord-, Toba-Batak. frühes 20. Jh.
L. 49 cm
Horn, Holz, Faser. Großes Zauberhorn (Medizinbehälter) eines hochrangigen datu (Schamane) der Toba-Batak in Nord-Sumatra. Bei den Batak Sumatras benötigte der datu oder “Spezialist” für magische Belange aller Art diverse Behälter, um bestimmte magische Substanzen, Amulette und Medizin aufzubewahren. Das Horn naga marsarang ist deren wichtigster. Es verkörpert den Status des datu und ist neben dem Stab tunggal bzw. tongkat Zeichen seiner Würde. Das Horn, dessen hohler Hauptteil von einem Wasserbüffel-Bullen stammt, ist zweiteilig und hat einen beschnitzten Deckel aus mittelhartem Holz. Dieser stellt das mächtige Haupt des drachen- oder pferdeartigen Schutzgottes singa dar, welcher der Urvater der Ahnen ist. Der Korpus des Horns ist mit Schnur aus Palmfaser umwunden, was einen magischen Schutz für die Objekte im Inneren des Horns darstellt, aber auch unkontrollierte Außenwirksamkeit aufgrund ihrer magischen Macht verhindern soll. Dieses magische „Fesseln“ kennt man auch von anderen bedeutsamen Objekten. Das Horn ist intendiert geschwärzt, wohl durch Räuchern. Diese Maßnahme wird als reinigend angesehen. Manchmal wurden nach dem Tod bedeutender Vorbesitzer dessen Besitztümer durch Räuchern mit bestimmten Ingredienzien magisch „neutralisiert“.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung, seit den 1950er Jahren gesammelt - Minim. Alters- und Gebrauchsspuren
Die Figur des singa, die die darstellerische Grundlage der meisten naga marsarang ist, ist symbolisch sehr komplex und hat wenig mit dem indisch-hinduistischen und buddhistischen singga (mythischer Löwe) zu tun, der seit der Zeit Alexanders d.Gr. auf dem Subkontinent eine bedeutende symbolische Rolle innehat. Er verkörpert nicht den heraldischen Löwen aus der griechisch-baktrischen Kultur, sondern den Naga oder Boru Saniang Naga, die Weltschlange der hinduistischen Mythologie. Es ist ungeklärt, warum diese mythische Figur mit dem Begriff singa belegt wurde. Der singa der Batak ist eine schwer fassbare Konzeption, der die Unterweltgottheit Naga Pahoda (meist als Weltschlange verbildlicht), das den Batak heilige Pferd, die in Südostasien allgemein bekannte, uralte Nashornvogel-Symbolik, indo-javanische drachenartige See-Gottheiten und mächtige Ahnenfiguren zusammenführt. Wie schon der Name der Hörner sagt, werden die Zauberhörner gesamtheitlich als naga (Schlange) angesehen und der aquatischen Sphäre und Unterwelt zugewiesen, die in der dualistischen Konzeption ein Gegengewicht, aber auch eine Zusammenführung und untrennbare Einheit mit den eingeführten (hinduistischen) Oberweltgottheiten und ihrer Verkörperung im singa findet. Der singa findet sich in der Batak-Kultur allenthalben, vor allem an den mächtigen Repräsentationsbauten aus gewaltigen Balkenkonstruktionen (Clanhäusern, rumah bolon, rumah adat), die mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe sind. Singa finden sich jedoch allenthalben, an alltäglichen Objekten, Sarkophagen, Getreidespeichern, Amuletten, Büchern, Schmuck etc. Die Batak sind seit früher geschichtlicher Zeit intensiv mit dem Hinduismus in Berührung gekommen und haben eine einzigartige synkretistische Kosmologie entwickelt, die unverkennbare Kunstformen hervorgebracht hat