Los 660
Messer / Dolch „bade, badik“
Schätzpreis:
900 € - 1.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Sumatra, Süd- oder Zentral-, Malaiisch oder Minangkabau / Padang, 18./19. Jh.L. 37,7 cm
Stahl, Holz, Horn, Knochen. Ein guter badik, der Sumatra, der wahrscheinlich dem padang’schen Gebiet (Minangkabau) zuzuweisen ist. Der badik ist eine Dolchmesserform, die in weiten Teilen Indonesiens bekannt und verbreitet ist. Es ist gut möglich oder sogar wahrscheinlich, dass er ursprünglich aus Sumatra bzw. dem malaiischen Bereich stammt und im Zuge der Etablierung der maritimen Handelswege der muslimischen Malaien und der Diaspora der Malaien und Bugis nach der Eroberung von Malakka und Makassar sich im 16. und frühen 17. Jahrhundert im Archipel verbreitet hat. Der Ursprung dieser Messerform liegt in Südindien; sie hat ihren Weg nach Südostasien spätestens in der Zeit des intensiven indischen Kultureintrags (10. - 13. Jahrhundert) gefunden. Das vorliegende badik stellt in seiner Gesamtheit eine Hybriform dar. Die messerartige Rückenklinge ist aus feinstreifigem, raffiniertem Metall mit differenzierter Maserung aus stehenden Lagen. Deutlich erkennbar ist eine säuberlich freigestellte Mittellage (Schneidlage) aus hartem Stahl. Die Qualität ist hoch, es sind keine Lunker erkennbar. Der relativ große, fließend gebogene Griff besteht aus kemuning-Holz (Murraya Paniculata Jack). Er hat den typischen „tapa-kuda“-Abschluss („Pferdefuss“), der in diesem Fall aus schwarzem Horn mit gebogener Konkaktfläche aufgepasst ist, und eine in Zierwulste gegliederte Basis. Die Gestaltung und Größe deuten auf das Minangkabau-Gebiet hin; die Minangkabau (die früher berüchtigte Fechter waren) scheinen große Griffe bevorzugt zu haben. Das Mundstück der Scheide ist aus ausgesuchtem timaha -Holz (Kleinhovia Hospita Linn, auch timaha, timanga genannt). Die „exzentrische“ Form, die einen komfortablen Halt in der Leibbinde bietet, ist typisch süd-sumatranisch, kommt aber die ganze Nordostküste Sumatras entlang vor. Bemerkenswert ist die gandar, das Klingenfutteral im eigentlichen Sinne. Es besteht aus hellem, transparentem Büffelhorn. In die Innenseite wurden geschwungene vegetabile Ornamente eingeschnitten, die sich im Gegenlicht gut erkennen lassen. Der verbreiterte Scheidenfuss ist aus schwarzem Horn aufgesetzt und hat einen Knochen-Zierring. Die Scheide ist robust konstruiert - Scheiden wurden im Notfall auch zum Parieren benutzt. Die qualitative Anmutung ist sehr hoch, das Stück hat eine hervorragende Haptik. Details wie die leicht geschwungene Kontaktfläche von Grifffuß und Scheidenmund mit der präzisen Passung, die präzise freigestellte Stahllage der Schneide und die ausgesuchte Maserung des Scheidenmundstücks sind Details, die das Stück als sehr qualitätsvollen Vertreter seiner Art ausweisen, auch (oder gerade weil) auf Edelmetalle und andere „Gimmicks“ verzichtet wurde.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Sammlungsnr. 177


