Los 715
Priesterstab "tongkat malehat"
Schätzpreis:
2.000 € - 3.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Indonesien, Sumatra Nord-, Batak (Karo), 19. Jh.L. 177 cm (inkl. Federn)
Holz, Haare (Menschlich), Federn. Ein alter Stabaufsatz mit starker Patina, der zum Stab eines hochrangigen Priesters und Schamanen (datu) gehört. Der vollplastisch geschnitzte Aufsatz stellt einen auf einem pferdeartigen singa sitzenden Reiter dar. Der Aufsatz gehört zu einem tongkat malehat, der sich von den flächendeckend beschnitzten Stäben tunggal panaluan dadurch unterscheidet, dass der Schaft des Stabes glatt ist und lediglich der Oberteil plastisch ausgestaltet ist, dafür jedoch - wie in dem vorliegenden, hervorragenden Beispiel - bisweilen sehr opulent und expressiv. Wahrscheinlich handelt es sich bei den tongkat um den älteren Typ von Stäben, der schon an über 2000 Jahre alten Bronze-Darstellungen aus dem mutmaßlichen Ursprungsgebiet der Batak, Yunnan am Fuße des Himalaya, in erstaunlich ähnlicher Art dargestellt ist. Zu Füssen des singa bzw. singa-artigen Pferdes erkennt man rundum eine Reihe von Ahnenfiguren, die der Reiter magisch stärken. Der überproportional große Kopf ist mit gezopften Menschenhaaren und Federn geschmückt. Der strenge, fast maskenhafte Gesichtsausdruck der Hauptfigur ist intendiert, er bringt durch seine Regungslosigkeit und Weltabgewandtheit die Nähe zur jenseitigen Sphäre zum Ausdruck. Der singa selbst, der eine lange herausgestreckte Zunge zeigt (eine prägnante apotropäische Geste), steht auf einer Gruppe kleiner menschlicher Gestalten. Aus seinem geöffneten Maul hängt in einer unheilabweisenden Geste die zu einem abstrakten Ornament erweiterte Zunge; eine Geste, wie weit verbreitet ist und die man heute wohl am besten von den neuseeländischen Maori kennt. Der Aufsatz hat eine starke organische Patina und scheint längere Zeit benutzt worden zu sein.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Die Stäbe gehören zu den international bekannt gewordenen Zeremonialgeräten der Batak-Priester. Sie mussten, bevor sie ihre magischen Kräfte entfalten konnten, ebenso wie die heiligen Ahnenbildnisse und die Zauberhörner, mit einer geheimnisvollen organischen Substanz (pupuk), die man angeblich aus dem Kopf und anderen menschlichen Körperteilen herstellte, beseelt werden. Von ähnlich großer Bedeutung wie der Zauberstab waren für die Batak-Priester das Zauber- und Orakelbuch (pustaha) sowie der magische Kalender (porhalaan), die ihnen halfen, die komplizierten astrologischen Zusammenhänge zu deuten und die richtigen Tage für wichtige Zeremonien festzulegen. Stäbe als Rangabzeichen und Insignien metaphysischer Macht sind jedoch nicht spezifisch „batakisch“. Stäbe sind z.B. auch bei Dayak als Rangabzeichen üblich. Sie werden auch bei Iban-Dayak, die ihrer eigenen Überlieferung zufolge aus Sumatra kamen, als Statusabzeichen von älteren Männern und Barden sowie Schamanen getragen. Es kann an dieser Stelle noch auf andere Aspekte der Stäbe bzw. der dargestellten Reiterfigur verwiesen werden. Auch die Geschichte eines Heiligen oder Kriegers, der auf den Schultern eines anthropomorphen Dämonen und Menschenfressers (mythischer Halb-Löwe, jedoch ursprünglich möglicherweise eine andere Wesenheit) reitet, kann ohne weiteres ursprünglich eine Rolle bei den Stäben der Batak gespielt haben. Die diese Konstellation beschreibende Buddha-Sutasoma-Geschichte war auf Java, Sumatra, Bali etc. in vor-muslimischer Zeit sehr verbreitet


