Los 705
Relieftafel
Schätzpreis:
2.000 € - 3.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Indonesien, Timor Ost-, Belu / Tetum, frühes 20. Jh.78,5 x 38 cm
Holz, Pigmente. Relieftafel der Tetum auf Timor. Die Tafel besteht aus mittelhartem, dunkel pigmentiertem Holz und ist im Flachrelief beschnitzt. Im Kreis im Zentrum ist ein Mann zu sehen, der die gefährlichen frühen Vorfahren Leistenkrokodil und Hai auf Abstand hält, weil es wohl seine vorrangige Aufgabe war, Gefahren von der Familie abzuwenden. Im Kreis darunter befindet sich eine Frau, umgeben von Fruchtbarkeitssymbolen bzw. Brüsten. D.h. ihre vorrangige Aufgabe ist es, fruchtbar zu sein und die Abstammungslinie aufrechtzuerhalten. Bei der Heirat übernimmt der Mann die Totemtiere und Ahnenreihe seiner Frau. Der Forscher Vroklage, der seine Feldforschungen in den 30er Jahren durchführte, beklagte, dass die Verehrung der Totemtiere bereits zu dieser Zeit stark in Vergessenheit geraten sei. Die Tafel, die daher noch vor der Zeit des Aufenthaltes Vroklages gefertigt sein wird, zeigt die Kosmologie noch in reiner, unverfälschter Form. Sie stammt wahrscheinlich aus dem Besitz eines Kepala Adat („Kopf der Tradition“, Familienoberhaupt).
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Die malayo-polynesischen Tetum (auch Tetun, früher Belu) sind die größte Ethnie Osttimors. Im indonesischen Westtimor bilden sie einen Großteil der Bevölkerung in den Regierungsbezirken Belu und Malaka. Die Tetum bilden mit etwa 450.000 Angehörigen die größte Ethnie Osttimors und mit 500.000 die zweitgrößte in Westtimor. Sie wanderten erst im 14. Jahrhundert nach Timor ein, ihren Erzählungen zufolge aus Malakka. Zuerst ließen sie sich im Zentrum der Insel nieder und verdrängten die Atoin Meto in den Westteil Timors. Später stießen sie auch in den Ostteil weiter vor und gründeten insgesamt vier Reiche, von denen Wehale das mächtigste war. Ihre Sprache wurde schon damals zur Verkehrssprache im Zentrum und Osten der Insel. Noch heute leben die Tetum in der Mitte der Insel auf beiden Seiten der Grenze und an der Südostküste. Die alte Fremdbezeichnung Belu bedeutet auf Deutsch Freund oder Gönner. Nach dieser wurde in kolonialer Zeit der Osten der Insel Timors als Belu bezeichnet. Bei den matriarchalen Tetum glaubt man, dass die ersten Menschen aus zwei Öffnungen, Mahuma und Lequi Bui, dem Boden entstiegen. Traditionelle Häuser beziehen sich symbolisch auf diesen Vorgang. Daher werden bei den Tetum Terik die Türen zu den traditionellen Wohnhäusern als Vagina bezeichnet und das Innere als (weiblicher) Bauch. Brüste sind auch ein wesentliches Gestaltungsmerkmal von Tetum-Hauswänden. Die heilige und als weiblich definierte Unterwelt wird von den Frauen dominiert, während die säkulare und männliche Oberwelt von den Männern besetzt ist. Beide Welten müssen in Verbindung stehen, sonst drohen Unfruchtbarkeit, Krankheit und Tod - Gebrauchsspuren, an einer Stelle leicht bestoßen


