Los 706
Relieftafel
Schätzpreis:
2.000 € - 3.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Indonesien, Timor Ost-, Belu / Tetum, frühres 20. Jh.74,5 x 38 cm
Holz, Pigmente. Seltene Relieftafel der Tetum auf Timor. Die Tafel besteht aus mittelhartem, dunkel pigmentiertem Holz und ist im Flachrelief beschnitzt. Im Zentrum dieser Relieftafel ist ein Mann in seinem Haus zu erkennen, der von zwei Ahnengeistern mit traditioneller Kopfbedeckung geschützt wird. Am Rand der Tafel sind diverse Tiere in Rechtecke einbeschrieben, darunter Fische, Skorpione, Echsen, Schlangen, Schildkröten und Libellen. All diese Wesen stehen im Zusammenhang mit der aquatischen Sphäre und Fruchtbarkeit. Die Relieftafel ist von Hand behauen und zeigt auf der Rückseite deutliche Spure der Schnitzwerkzeuge. Eine zentrale Rolle spielt die Vielzahl der dargestellten Tiere, die in der mythischen Vergangenheit dem Clan Gutes getan haben und als Kulturbringer gelten. Man darf sie nach dem totemistischen Prinzip daher weder töten noch essen und oft auch nicht berühren. Manche können auch als wiedergeborene Vorfahren gelten. Jeder Clan hat seine Totemtiere. Wenn Mitglieder solcher Clans heiraten, übernimmt der Mann die Totemlinie des Clans. Seiner Frau. Der Forscher Vroklage, der seine Feldforschungen in den 30er Jahren durchführte, beklagte, dass die Verehrung der Totemtiere bereits zu dieser Zeit stark in Vergessenheit geraten sei. Die Tafel, die daher noch vor der Zeit des Aufenthaltes Vroklages gefertigt sein wird, zeigt die Kosmologie noch in reiner, unverfälschter Form. Sie stammt wahrscheinlich aus dem Besitz eines Kepala Adat („Kopf der Tradition“, Familienoberhaupt).
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Die malayo-polynesischen Tetum (auch Tetun, früher Belu) sind die größte Ethnie Osttimors. Im indonesischen Westtimor bilden sie einen Großteil der Bevölkerung in den Regierungsbezirken Belu und Malaka. Die Tetum bilden mit etwa 450.000 Angehörigen die größte Ethnie Osttimors und mit 500.000 die zweitgrößte in Westtimor. Sie wanderten erst im 14. Jahrhundert nach Timor ein, ihren Erzählungen zufolge aus Malakka. Zuerst ließen sie sich im Zentrum der Insel nieder und verdrängten die Atoin Meto in den Westteil Timors. Später stießen sie auch in den Ostteil weiter vor und gründeten insgesamt vier Reiche, von denen Wehale das mächtigste war. Ihre Sprache wurde schon damals zur Verkehrssprache im Zentrum und Osten der Insel. Noch heute leben die Tetum in der Mitte der Insel auf beiden Seiten der Grenze und an der Südostküste. Die alte Fremdbezeichnung Belu bedeutet auf Deutsch Freund oder Gönner. Nach dieser wurde in kolonialer Zeit der Osten der Insel Timors als Belu bezeichnet. Bei den matriarchalen Tetum glaubt man, dass die ersten Menschen aus zwei Löchern, Mahuma und Lequi Bui, dem Boden entstiegen. Traditionelle Häuser beziehen sich symbolisch auf diesen Vorgang. Daher werden bei den Tetum Terik die Türen zu den traditionellen Wohnhäusern als Vagina bezeichnet und das Innere als (weiblicher) Bauch. Das in Unter- und Oberwelt geteilte Universum der Tetum Terik ist nach ihrem Glauben durch die Vagina der Frau verbunden. Die heilige und als weiblich definierte Unterwelt wird von den Frauen dominiert, während die säkulare und männliche Oberwelt von den Männern besetzt ist. Beide Welten müssen in Verbindung stehen, sonst drohen Unfruchtbarkeit, Krankheit und Tod


