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Los 729

Schild ''vasem '' aus Mangrovenholz

Schätzpreis:

500 € - 800 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Papua Selatan (Neuguinea West-, Zentral-, Republik Indonesien), Asmat
H. 143 cm
Andeutungsweise spitz-ovaler Schild vasem der Asmat aus Papua Selatan. Der obere Teil läuft in einen verbreiterten, kappenartigen Aufsatz aus, der als stilisiertes Gesicht erkennbar ist. Zentral befindet sich Mund mit herabgezogenen Mundwinkeln, daneben erkennt man beidseitig die runden Augen und Ohrläppchen. Da der Schild als alter ego des Besitzers aufgefasst wird, ist diese Gestaltung sinnfällig. Der breitere, untere Teil ist basal gerundet. Die untere Seite wird bei Kampf- und Zeremonialhandlungen provisorisch auf den Boden gesetzt, weshalb vasem immer „fußlastig“ sind. Die vordere Ansicht (dem Gegner zugewandt) ist im tiefen Relief mit abstrakten, symmetrisch angelegten Formen beschnitzt und mit Ocker und Kalk gefasst. Die erhabenen Stege sind mit organischem Ruß schwarz gefärbt (verblasst). Die hakenartigen Motive werden als Gruppierung abstrahierter hockender Menschenfiguren bzw. Gliedmaßen derselben interpretiert, die Opfer der ritualisierten Kopfjagd oder Ahnen des Trägers sind. Der Schild ist entlang der Ränder rituell eingekerbt. Bei Bestattungsfeierlichkeiten wurden die Schilde des Verstorbenen teilweise rituell beschädigt. Die Rückseite ist unverziert. Schilde dieser Art wurden früher bei Stammesfehden zum Zweck der rituellen Kopfjagd getragen, bei Nichtgebrauch werden sie in Männerhäusern eingelagert und werden als Repräsentanten der Besitzer und ihrer Clans hoch geachtet. Sie sind stets aus einem Stück gefertigt und sind meist mit integralem Griff auf der Rückseite versehen. Bei Kämpfen werden sie wegen der Größe teilweise auf den Boden aufgesetzt. Als Angriffswaffen dienen teilweise aufwendige, mit Wurfbrettern geschleuderte Speere (jukaim, fum), Keulen und Dolche aus Menschenknochen. Die immer mit dem Ahnenkult im Zusammenhang stehenden Motive lassen sich teilweise auf festländisch-austronesische Urformen zurückführen (innerasiatischer Tierstil) und stellen nach einigen Interpretationen ein mythisches Ur-Dorf oder den Weg des Initianden in die Jenseitswelt und zurück dar. Sie haben teilweise Entsprechungen in Ostindonesien (Maluku). Die materielle Kultur der Jagd und Fischfang betreibenden Asmat zeichnet sich durch aufwendige Schnitzereien und eine Meisterschaft in der Bearbeitung organischer Materialien aus. Alltags- und Ritualgegenstände werden mit bedeutungsträchtigen Ornamenten versehen. Hierzu zählen Paddel, Stoßstangen, Schilde und Speere, aber auch Kanus, welche die Seelen der Verstorbenen in den Ozean geleiten, sowie Ahnenpfähle. Für Nutzwerkzeuge werden die nibung-Palme (Grabstöcke, Bögen, Pfeilspitzen, Speere), Mangroven (Bauholz und Kampfschilde) sowie die nipa-Palme (Matten und Elemente für Dachbedeckungen) genutzt.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung, erworben in den 1980er Jahren - Partiell Altersspuren und kleine Best.