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Los 670

Schild "kliau"

Schätzpreis:

2.500 € - 3.500 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Borneo, Kalimantan, Dayak, Kajan oder Bahau, 19. Jh.
H. 135 cm, B, 40 cm, T. ca. 15 cm
Holz (jelutong, Dyera costulata), Rattanbänder, Pigmente, Haare (menschl.). Sehr schöner, qualitativ herausragender Dayak-Kampfschild von großer Eleganz. Das Schild ist aus einem Stück Holz (Dyera costulata, ein Apocynacae-Gewächs) geschnitzt und mit Rattanbändern verstärkt. Der Griff auf der Rückseite ist aus dem Holzstück geschnitzt und nicht angesetzt. Dieses Merkmal ist wesentlich; es zeichnet hochwertige alte Schilde (wie diesen) aus. Bemerkenswert ist auch die hohe Qualität der Dekoration der Rückseite, die in vergleichbarer Feinheit wie die Vorderseite bemalt ist. Der für die Schilde verwendete jetulong-Baum kann bis fast 70 m hoch und über 2,5 m dick werden. Beim Fällen, welches nur sporadisch und sehr bewusst vorgenommen wurde, wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um sich bei dem Baum und den Waldgeistern zu entschuldigen. Die Motive, welche stark stilisierte Gesichter bzw. Fratzen mit langen Hauern darstellen, sind beidseitig auf das Schild mit Schablonen aufgetragen. Bei schwarzem Pigment handelt es sich um gebrannte unreife Kokosnussschalen und bei rotem Pigment um Drachenblut, welches in Kokosnussöl angerieben wurde. Der Schild ist mit zahlreichen Büscheln Menschenhaars versehen - angeblich jenen der Kopfjagdopfer, es wurden aber auch die Haare von Lebenden verwendet. Die Schilddämonen sind als Schutzgeister für die Waffenträger vorgesehen, aber auch um dem Gegner Furcht einzuflößen. Bei wichtigen Zeremonien wurden die Schilde auch zur Schau gestellt. Meist stellen die Motive eines oder mehrere anthropomorphe Gesichter mit langen Reißzähnen, umrankt von stilisierten aso-Motiven, dar. Die Schilde der Kenyah und der Kayan sind sowohl auf der Vorderseite als auch auf der Innenseite bemalt, allerdings ist die Bemalung auf der Innenseite oft einfacher gestaltet. Die Darstellung der Außenseite soll den Gegner abschrecken, die der Innenseite den Träger beschützen. Die Schilde wurden frei mit der Hand gehalten und dem Gegner entgegen gereckt; man versuchte, mit dem weichen, aber zähen Holz die Waffen des Gegners durch Steckenbleiben zu „binden“. Sie wurden in Verbindung mit dem mandau bzw. malat, dem Kampfschwert der Dayak, verwendet. Die Kämpfe (kajau), die von kurzer Dauer und mit Kopfjagd verbunden waren, zeichnen sich durch große Mobilität und fast artistische Sprünge und Duckmanöver aus.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Es kann angenommen werden, dass die Dayak-Ethnien die Motive von Dämonen-Schilden aus der chinesischen Kultur übernommen haben. Schon bei Schilden der Streitenden Reiche und der Frühlings- und Herbstannalen-Zeit (ca. 700 - 400 v.u.Z.) sowie der der darauffolgenden Han-Dynastie sind Schilde mit Gesichtern üblich. Die Dayak (daya: wörtl. „gekommen“, als Hinweis auf Zuwanderung) sind wahrscheinlich in mehreren Wellen in der Zeit der Wirren der späten Zhou- und der späten Han-Zeit aus Südwest-China (Yunnan) in den Archipel gelangt (metallzeitliche austronesische Migration). Dämonengesichter als apotropäisches Element an „empfindlichen Stellen“ sind in China, Japan, Indien und im ostindischen Archipel häufig anzutreffen. Sie gehen in Südostasien sicher teilweise auf die alt-chinesische totemistische taotieh-Tigermaske zurück, die in der Zhou-Dynastie sehr verbreitet war, aber bis ins Neolithikum zurückzuverfolgen ist