Los 664
Schwert "balato" (tologu)
Schätzpreis:
2.500 € - 3.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Indonesien, Nias (Süd-), Ono Niha, 19. Jh.L. 65 cm
Stahl, Holz, Buntmetall, Zähne, Rattan. Die Klinge dieses für Nias typischen Schwertes balato ist leicht einwärts gebogen Sie verbreitert sich nach vorn und fällt an der breitesten Stelle abrupt in scharfem Bogen ab, die Spitze liegt in der Schneidenlinie. Der Holzgriff mit der langen, gerillten Messingtülle hat einen großen Knauf in Gestalt eines stilisierten Tierwesens. Er stellt den Kopf des lasara, eines Unterwelt-Fabelwesens im Sinne des singa der Batak, des makkara oder des naga pahóda dar, das mit aufgerissenem Maul und überdimensionierten Reißzähnen versehen ist. Zwischen den Kiefern ist die Zunge erkennbar. Das Maul verkörpert den Weg in die Unterwelt, aus der der Krieger seine Kraft bezieht. Die Seitenflächen sind im Flachrelief beschnitzt. Im Nacken des lasara sitzt eine kleine groteske Gestalt, der bekhu, der ursprünglich den Leben nehmenden, initiierten Krieger darstellt. Der bekhu ist hier zu einer abstrakten vogelartigen Gestalt mutiert, die eine fast Max-Ernst-artige Ausprägung hat. Die Scheide des Schwertes besteht aus mittelhartem Holz und ist durch zahlreiche flache Messingbänder zusammengehalten. Schwert eines hochrangigen, angesehenen Kriegers in sehr gutem Zustand. Der guterhaltene Amulettkorb ist eine Rarität.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Die Aristokratie von Nias veranschaulicht und dokumentiert ihre Autorität durch den Besitz von Prestigeobjekten aus Metall. Vor allem sind dies goldene Kopfaufsätze und Waffen wie das balato tologu, das Schwert der hochrangigen Krieger, sowie Hals- und Armschmuck. Diese Objekte stellen die Verbindung zu den Ahnen her. Die Konzeption des pusaka, des heiligen Erbstücks, das einen direkten Verweis zur ätherischen Sphäre darstellt, wird hier besonders deutlich. Schmiede in Süd-Nias sind meist Adlige oder stammen von Adligen ab. Weil der Schmied durch das Herstellen von Objekten von Rang direkt in das Gesellschaftssystem eingreift beziehungsweise dieses zementiert, ist sein Gewerbe dem Adel adäquat und seine Arbeit dem Adel verpflichtet. Die Form des Schwertes ist endemisch und unverkennbar, wenn auch sumatranische Einflüsse unverkennbar sind. Der Begriff balato ist dem belada und und palitai verwandt, anderen Klingenwaffen mit sehr alter Geschichte in Indonesien. Schon der Chronist Ma-Huan (um 1420) erwähnt den „pula-to“ der Javaner. Die Scheiden von bedeutenden süd-niasischen Schwertern sind meist mit Amulettkörben, ragö oder raga ifo boaya versehen. So auch in diesem Fall. Der Korb verleiht dem Schwert eine Seele und schützt den Träger. Der aus grobem Rattan geflochtene Korb ist flächendeckend mit großen Reißzähnen versehen und enthält eine aus leichtem Holz geschnitzte Reihung von stilisierten Ahnenfigürchen. Die Körbe enthalten auch bisweilen rote Tuchstreifen, Zähne (auch menschlicher Herkunft), jimat-Amulettsteine und anderes und sind bei namhaften Kriegern mit Zähnen von großen Raubtieren bedeckt


