Los 674
Schwert "barong"
Schätzpreis:
900 € - 1.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Philippinen Süd-, Mindanao-, Tausug oder Yakan, 19. Jh.L. 62 cm
Stahl, Holz, Buntmetall, Rattan. Ein guter barong, die bevorzugte Kampfwaffe der Moro (wahrscheinlich Tausug) auf Mindanao. Die schwere, einschneidige, weidenblattförmige Rückenklinge hat leicht konkav ausgearbeitete Flanken und eine unscharf abgesetzte Schneidfase. Im Schneidenbereich ist ein Stahlkern hoher Härte eingesetzt. Der Klingenkörper zeigt deutliche Raffinierstruktur (lokal erschmolzenes Metall) mit holzartiger Maserung. Da in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs vor allem Federstahl eingesetzt wurde, kann die Klinge deutlich älter datiert werden. Die Waffe dürfte aus dem 19. Jahrhundert stammen. Den eigentlichen Griff bzw. die Handhabe bildet eine lange konische Silberzwinge, die oben und unten durch umlaufende konzentrische Ringe bzw. Zierrillen abgesetzt ist. Der aus Hartholz (banati) gefertigte Knauf stellt ein stilisiertes, Nashornvogel-Haupt dar. Wahrscheinlich stellt diese Knauf-Form ein stilisiertes Rudiment einer auf sehr alte Vorbilder (Pinoy-Kultur, 10. - 13. Jahrhundert) zurückgehenden Schwertgriff-Form dar. Grundsätzlich hat der Knauf des barong in dieser „cockatoo“-Form deutliche Ähnlichkeit mit T`boli- und Bagobo-Schwertern, nur dass bei den Moro die Form im Laufe der Zeit teilweise ausladender wurde. Die Scheide ist zweischalig und aus dunklem hartem Holz gearbeitet. Sie ist flächendeckend mit feinem Rattan umwunden. Mundstück und Scheidenfuß sind verbreitert und im Relief beschnitzt. Auf alten Fotos von kämpfenden bzw. mit Waffen übenden Moro ist zu erkennen, dass die Scheiden auch als provisorische Schilde verwendet wurden. Es ist möglich, dass diese Waffenform, die sonst keine Entsprechung in Südostasien hat, ursprünglich von badik (Messern) aus Sulawesi (Bugis) abzuleiten ist. Es sind keine barong bekannt, die nachweislich aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert stammen. Die Moro selbst geben an, dass die kleineren Klingen (ähnlich wie beim kalis) tendenziell die ältere Form repräsentierten. Die Eleganz und Schönheit dieses barong sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eine sehr gefürchtete und effiziente Waffe handelt, die wohl erst im 18. oder 19. Jahrhundert aufgrund der ständigen Kampfhandlungen ihre endgültige Optimierung erfahren hat. Der barong ist vor allem bei den Tausug üblich. In der Fechtschule (silatan) ist der barong eine der Hauptwaffen. Datu (Fürst) Unga (um 1900) z. B war als Meister des barong bekannt. Trotz der langgezogenen Spitze gilt der barong vor allem als Hiebwaffe, die den Berichten zufolge verheerende Wirkung hatte.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Handschriftliche Sammlungsnummer: 537


