Los 682
Schwert "penai"
Schätzpreis:
3.000 € - 5.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Sulawesi, Indonesien, Bare‘e-Toraja, 18. oder frühes 19. Jh.L. 67,5 cm
Stahl, Holz, Horn. Eine sehr ausdrucksstarke Waffe, die den Bare‘e-sprechenden Toraja auf Süd-Sulawesi zugeschrieben werden kann. Es gehört zur Gruppe der sogenannten penai. Das Schwert hat einen einteiligen Griff aus Wasserbüffel-Horn (kerbau) mit großem, abgewinkelten, flächigem Knauf, der entfernt an einen Tierkopf erinnern, aber eine sehr abstrakte Anmutung hat. Die Abwinkelung wurde, wie Größe und Maserung beweisen, durch Erwärmen und Biegen über lange Zeiträume erzielt, was vollkommene Materialbeherrschung voraussetzt (mindere Exemplare zeigen bisweilen Risse und Aufspleißung). Die „exzentrische“ Form kollidiert interessanterweise in keiner Weise mit der Gebrauchsfähigkeit des Schwertes Schwertes, das handlich und durchaus praktikabel ist. Der Griffuß ist in typischer Weise verdickt. Die Klinge zeigt grobe Raffinierstruktur und keinen konstruktiven Aufbau, sie ist wohl dem 18. Jahrhundert zuzuweisen oder noch älter. Ein Sprödbruch im Spitzenbereich zeigt, dass sie gehärtet ist. Die zweiteilige hölzerne Scheide wird durch Rattanbänder zusammengehalten. Im Bereich des Schwerpunkts ist sie schauseitig verdickt und mit einer Tragevorrichtung (Löcher, für Baumwoll- oder Rindenbastschnur) versehen. Knauf und Scheide zeigen Ornamentfelder, die durch Spiralen und Flechtbänder sowie Gruppierungen von Zackenlinien bestimmt sind. Diese finden sich in identischer Weise auf den bekannten Sarkophagen der Toraja und lassen sich direkt auf Dong-So‘n-Ornamentik bzw. bronzezeitliche Dekorformen zurückführen, wobei die Spiralornamente als „echte“ Spiralen und nicht, wie bei den Dayak, als „eingehängte“ Doppelspiralen (weiterentwickelte Mäander- und Volutenbänder nach zentralchinesischem / innerasiatischem Vorbild) zu benennen sind. Die Spirale steht für den Weg in die Unterwelt und zurück; d.h. für zyklische Erneuerung des Lebens und der Fruchtbarkeit.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Schwerter sind in Tana Toraja heilige Objekte. Besonders bei den Ost-Toraja (Bare‘e), die seit alters als „Schmiedevolk“ gelten, wird dem Eisen besondere Bedeutung beigemessen. Auch die Bezeichnung Sulawesi rührt von sula besi, „Eisen-Insel“, her. Schwerter haben auch heute noch spirituelle Signifikanz. Jährliche Zeremonien dienen dazu, die „Kraft des Eisens“ (isi waja) und die „Spirits of the Forge“ zu neutralisieren. Tana Toraja, ein seit dem frühen 20. Jahrhundert üblicher Begriff für die Hochländer der Region „Südost-Sulawesi“, rührt von der buginesischen Bezeichnung to riaja, „Leute des Gebirges“, her. Das Inland von Sulawesi (früher zu „Celebes“ verballhornt) erhebt sich stellenweise auf weit über 3000 m ü.M. Heute gibt es etwa 1.100.000 Angehörige der ethnogenetischen Großgruppe „To-Raja“, von denen etwa die Hälfte in der Regentschaft Tana Toraja lebt. Seltenes altes Schwert von hoher gestalterischer Anmutung


