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Los 669

Schwert "surik"

Schätzpreis:

4.500 € - 6.500 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Indonesien Ost-, Timor, Atoni oder Tetum, 18. Jh.
L. 82 cm
Stahl, Horn, Haare (Ziege), Holz, Kalk. Ein sehr seltenes, altes Schwert aus Timor. Unter den Besitztümern der Atoni (Atoin Meto) auf Timor ist das Schwert, surik, auf männlicher Seite von besonderer Bedeutung. Es verkörpert Status und Kriegertum per se. Der Begriff surik leitet sich von sanskr. curiga, „Schwert, ab, andere Derivate sind corik oder sonri. Dieses repräsentative Schwert dürfte aufgrund der datierten Klinge, des einheitlichen Erscheinungsbildes, der Provenienz (Schweizer Privatbesitz, Erwerb vor 1880) und der Patina noch aus dem 18. Jahrhundert stammen. Die Klinge ist europäischer Herkunft (wahrscheinlich Solinger Fertigung) und trägt das Signet der VOC (Vereinigte Ostindische Handelscompanie) mit dem Datum 1745; eine professionelle Umarbeitung aus einer noch älteren Klinge (17. Jh.) ist anzunehmen. Sie ist leicht gebogen und hat eine schmale Rückenkehle. Deutliche Abnutzungsspuren deuten auf starken Gebrauch hin. Im vorderen Bereich ist sie gekürzt, was weniger auf Bruch denn auf bewusste „Stutzung“ für Handlichkeit und bequemes Tragen zurückzuführen ist. Der Griff ist aus dunklem Büffelhorn. Die im Flachrelief eingeschnittenen, mit Kalkfarbe akzentuierten spiraligen Motive lassen sich sehr gut in Beziehung bringen mit Kunstformen aus Irian Jaya (Asmat). Der Knauf, dessen flächige Form auf einen abstrahierten Tierkopf mit aufgerissenem Rachen oder einen Nashornvogel-Kopf zurückgeht, ist typisch für Timor und trägt rot gefärbte Ziegenhaare, wohl eines Opfertiers. Oberhalb der verdicken Basis erkennt man den Flechtknoten, der auch für Toraja-Kunst von großer Bedeutung ist. Der Scheidenmund der zweiteiligen Holzscheide zeigt ein abstrahiertes anderweltliches Ideal-Dorf mit dem Plejaden-Motiv (die Spiralen) als Symbol für die axis mundi, oder einen Weltenbaum mit Kopfmotiven - die Interpretationen sind hier widersprüchlich, aber durchaus sinnverwandt. Der abstrahierte Knauf geht in letzter Konsequenz auf den Nashornvogel oder ein anderes symbolträchtiges Tier zurück.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Part. Gebrauchsspuren
Die Kunst der Atoin / Atoni ist tendenziell dual, bzw. „zweipolig“ und axial ausgelegt, entsprechend der Kosmologie. Bestimmende Motive sind hierbei das Krokodil und die Schildkröte, jeweils in abstrahierter Form. Die Adigen, maramba führten sich männlicherseits auf das Krokodil uis neno zurück, und eines ihrer Hauptinsignien war die Schildkröte, in der althergebrachten Symbolik Träger der Mittelwelt. Die wesentliche soziale Basis des rituellen Kriegertums vor allem mit Kopfjagd in Verbindung mit Übergangsritualen, der Megalith-Setzungen und elaborierten Hauskonstruktionen ist eine hierarchische Gesellschaftsordnung und stringentes Clan-Bewusstsein. Auf Timor obliegt dem spezialisierten Krieger oder Vorkämpfer, meo, die Aufgabe, die ritualisierte Kriegsführung und das Nehmen von Leben gemäss dem adat zu organisieren und zu moderieren. Meo war ein besonderer Kriegerstand auf Timor, sowohl bei den Tetum als auch den Atoni. Die Kämpfe zwischen den Reichen des alten Timor waren streng ritualisiert. Vor einer Schlacht stellten sich die meo in vollem Ornat vor die Kriegerreihen und begannen, mit Kriegstänzen die Stimmung anzuheizen, den Mut ihres Stammes zu preisen und die Gegner zu beschimpfen. Danach zogen sie sich zurück und die gegnerischen Parteien begannen, sich aus gewisser Entfernung heraus gegenseitig zu beschießen - ursprünglich mit Pfeil und Bogen, später mit Feuerwaffen. Sobald ein Mann getötet oder ernsthaft verletzt wurde, endete der Kampf in der Regel