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Los 677

Schwert "surik"

Schätzpreis:

3.000 € - 5.000 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Indonesien Ost-, Timor, Zentral-, Atoin Meto, 18. Jh. oder älter
L. 80 cm
Stahl, Horn, Holz, Haare (Ziege). Ein sehr altes, seltenes surik-Schwert aus Timor, das als Prestigeobjekt bei den Atoin Meto eine große Rolle spielt. Unter den Besitztümern der Atoni (Atoin Meto) auf Timor ist das Schwert surik von besonderer Bedeutung. Es verkörpert Status und Kriegertum per se. Der Begriff surik leitet sich von sanskr. curiga, „Schwert, ab, andere Derivate sind corik oder sonri. Dieses Schwert dürfte gesamtheitlich noch aus dem 18. Jahrhundert stammen. Die einschneidige, gekehlte Rückenklinge mit gekürztem Vorderteil ist europäischer Herkunft (wahrscheinlich Solinger Fertigung) und ist eine professionelle Umarbeitung aus einer noch älteren Klinge (17. Jh.), wie sie massenweise im 16. und 17. Jahrhundert in Solingen gefertigt wurden und von der VOC („Vereinigte Ostindische Handelkompanie“) im 18. Jh. nach Indonesien importiert wurde. Deutliche Abnutzungsspuren deuten auf starken Gebrauch hin; die Kürzung ist intendiert (kein Bruch). Der Griff ist aus dunklem Büffelhorn. Die im Flachrelief eingeschnittenen, ehemals mit Kalkfarbe akzentuierten spiraligen Motive sind eine timoresische Ausprägung uralter Bronzezeit-Dekorformen. Der Knauf, dessen flächige Form auf einen abstrahierten Tierkopf mit aufgerissenem Rachen oder einen Nashornvogel-Kopf zurückgeht, ist typisch für Timor und trägt rot gefärbte Ziegenhaare (abgewetzt), wohl eines Opfertiers. Deutlich erkennbar ist das zentrale „Auge“, das auch an süd-philippinischen Schatzfunden aus dem 9. und 10. Jh. an Schwertgriffen anzutreffen ist. Der verdickte Scheidenmund der zweiteiligen Holzscheide zeigt ein abstrahiertes Ideal-Dorf mit dem Plejaden-Motiv (die Spiralen) als Symbol für die axis mundi, oder einen Weltenbaum mit Kopfmotiven - die Interpretationen sind widersprüchlich, aber sinnverwandt. Ebenfalls verdickt und im Flachrelief beschnitzt ist der Scheidenfuss. Die Scheide ist u.a. mit der Vierfach-Spirale im Flachrelief versehen - Symbol für Erneuerung und erfolgte Initiationsrituale, die den initiierten Krieger zum „Moderator“ für die Erneuerung von Lebensenergie machen. Der abstrahierte Knauf geht in letzter Konsequenz auf den Nashornvogel oder ein anderes symbolträchtiges Tier zurück.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Die Kunst der Atoin / Atoni ist tendenziell dual, bzw. „zweipolig“ und axial ausgelegt, entsprechend der Kosmologie. Bestimmende Motive sind hierbei das Krokodil und die Schildkröte, jeweils in abstrahierter Form. Die Adigen, maramba führten sich männlicherseits auf das Krokodil uis neno zurück, und eines ihrer Hauptinsignien war die Schildkröte, in der althergebrachten Symbolik Träger der Mittelwelt. Die wesentliche soziale Basis des rituellen Kriegertums vor allem mit Kopfjagd in Verbindung mit Übergangsritualen, der Megalith-Setzungen und elaborierten Hauskonstruktionen ist eine hierarchische Gesellschaftsordnung und stringentes Clan-Bewusstsein. Auf Timor obliegt dem spezialisierten Krieger oder Vorkämpfer, meo, die Aufgabe, die ritualisierte Kriegsführung und das Nehmen von Leben gemäss dem adat zu organisieren und zu moderieren. Meo war ein besonderer Kriegerstand auf Timor, sowohl bei den Tetum als auch den Atoni. Sein Symbol ist der surik