Los 696
Schwertmesser "piso halasan"
Schätzpreis:
2.000 € - 3.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Indonesien, Nord-Sumatra, Toba-Batak, 19. Jh.L. 69 cm
Geweih, Stahl, Buntmetall, Haut (Leder), Holz. Ein sehr guter Vertreter eines bis zum 19. Jahrhundert bei den Toba verbreiteten Typs von Langmesser; Typ „piso halasan“. Es ist von hervorragender Fertigungsqualität und klassischer Eleganz. Die leicht gebogene Rückenklinge mit langgezogener Spitze ist sehr stark und weist eine selektiv gehärtete Schneide auf, wie der dunkle Schatten entlang der Schneidenlinie erkennen lässt. Sie ist aus Raffinierstahl (mit Faltstruktur). Der breite, starke Hals führt fließend in den patinierten, Geweihgriff, dessen Oberfläche in oval gegliederte Noppenstrukturen aufgelöst ist. Diese gewährleisten eine gute Haptik. Das Stück ist trotz seiner Eleganz als ernstzunehmende Waffe zu bezeichnen. Die unten prägnant gebogene Scheide ist in der spitzennahen Hälfte mit dunkler Haut überzogen, der sichtbare Scheidenkorpus besteht aus schwarz gelacktem Holz. Der Mundbereich ist in ein zweiteiliges, dickwandig gegossenes, oben auskragendes Mundstück gefasst, an dem die originale, zum Scheidenfuß führende Tragekette befestigt ist. Das Mundstück ist mit feinen ornamental-geometrischen Flachrelief-Bändern versehen. Der Abnutzungsgrad der Metallteile lässt auf langes Tragen über mehrere Generationen schließen. Die übliche Biegung des Scheidenfußes ist hier sehr prägnant ausgeführt.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Messer dieser Art dürften neben den mermo- Formen wohl am ehesten als funktionale bzw. auf Funktionalität ausgelegte Waffen anzusprechen sein. Sie wurden neben Stoßspeeren in Verbindung mit Hautschilden, hampang-hampang, verwendet, nachdem die Speere geworfen und die Schusswaffen abgefeuert waren. Meist wurde Nahkampf jedoch gemieden. Die Batak waren im Kampf gut organisierte, gefürchtete Gegner, die sich in der Kolonialzeit ihre Unabhängigkeit sehr lange bewahren konnten. Die schwere Tragekette an der Scheide hat bei den Toba-Batak eine besonders prestigebehaftete Bedeutung. Sie findet sich auch an anderen Objekten, wie großen Tabakpfeifen oder metallenen Medizinbehältern. Diese Ketten sind eigenständige pusaka (Erbstücke) von besonderer Bedeutung). Deshalb sind sie an Messern oft entfernt und einbehalten bzw. durch dünne, minderwertige Surrogate ersetzt worden. Dass dieses Stück komplett ist, ist als seltener Glücksfall zu bezeichnen


