Los 703
Seelenschiff aus Holz
Schätzpreis:
1.500 € - 2.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Tanimbar, Indonesien, Ost-, Alfuren, frühes 20. Jh.H. 68 cm, B. 121 cm, T. ca. 21 cm
Holz (Mangrove). Sehr seltenes Ahnen- oder Votivboot aus Ost-Indonesien, wahrscheinlich von der Insel Tanimbar. Das hohl ausgearbeitete Boot aus hartem Mangrovenholz stellt eine stilisierte stehende Figur in einem Schiff ober Boot dar. Während die Figur ohne jeden Dekor auskommt, ist das Schiff sorgfältig ausgearbeitet in den für Tanimbar typischen, floral-ornamentalen Rankenmotiven an Bug, Heck und Bordrändern des Schiffes. Für die Interpretation der Schiffe dieser Art gibt es zwei Varianten. Es kann sich sowohl um Votivboote handeln, die bei der Sekundärbestattung neben den Sarkophag gesetzt wurden, um der Seele des Verstorbenen den Weg zu weisen, oder es handelt sich um die Darstellung der bekannten Tanzboote. Für die Ahnenboot-Auslegung spricht, dass es auf Tanimbar noch von Megalithen umrahmte Dorfplätze gibt, die Bootsform haben. Boote symbolisieren die Abstammungsgemeinschaft. Besonders beim Porka-Fest, wenn der Sonnengott Upuleno die Erdgöttin Upusena heiratet, tanzen auf dem bootsförmigen Dorfplatz alle Frauen und Mädchen des Dorfes. Es gibt auch besondere Tanzboote, in denen die Frauen tanzen und in die benachbarten Dörfer oder zu den Inseln fahren, um dort die Bewohner zum Tanzen zu motivieren. Das Tanzen hält prokreative Schöpfungsakte in der Urzeit aufrecht bzw. erneuert diese. Diese Veranstaltungen vertiefen auch die sozialen Bindungen zwischen den Dörfern und befördern Hochzeiten.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung, seit den 1950er Jahren gesammelt
Die Tanimbaresen sind bekannt für ihre Bootsbaukunst. Die Schiffe dienen dem Gewinn von trepang (Seegurke) und den lokalen Handel. Sie haben auch eine große symbolische Bedeutung als Fahrzeug der Ahnen, die übers Meer kamen, und als Vehikel der Seelen ins Jenseits. Die Tanimbar-Inselgruppe, die aus 30 Inseln in der Maluku Tenggara kabupaten (Regentschaft), Maluku provinsi (“province”), in Ost-Indonesien besteht, wird von einer ethnischen Mischbevölkerung bewohnt. Die Inseln liegen zwischen der Banda- und der Arafura-See. Früher war das Gebiet bewaldet, mit dichten Mangrovenwäldern, die den Einheimischen guten Schutz gegen Angreifer boten. Die Molukken wurden schon vor Zehntausenden von Jahren besiedelt. Zwischen 10.000 und 2000 v. Chr. erreichte die austronesische Expansion die Inseln. Die heutige Bevölkerung besteht überwiegend aus Malaien und daneben kleineren Volksgruppen mit melanesischen und papuanischen Wurzeln, die früher mit dem Sammelbegriff Alfuren bezeichnet wurden


