Los 710
Seelenschiff aus Holz
Schätzpreis:
3.000 € - 5.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Tanimbar, Indonesien, Ost-, Alfuren, frühes 20. Jh.H. 51 cm, L. 84 cm
Holz (Mangrove). Sehr seltenes Ahnen- oder Votivboot aus Ost-Indonesien, wahrscheinlich von der Insel Tanimbar, sorgfältig ausgearbeitet in den für Tanimbar typischen, floral-ornamentalen durchbrochenen Rankenmotiven an Bug und Heck des Schiffes. Die stehende Figur hat ebenfalls zu Ranken stilisierte Gliedmaßen und eine flache Kopfbedeckung. Für die Interpretation der Schiffe gibt es zwei Varianten. Es kann sich sowohl um Votivboote handeln, die bei der Sekundärbestattung neben den Sarkophag gesetzt wurden, um der Seele des Verstorbenen den Weg zu weisen, oder es handelt sich um die Darstellung der bekannten Tanzboote. Für die Ahnenboot-Auslegung spricht, dass es auf Taminbar noch von Megalithen umrahmte Dorfplätze gibt, die Bootsform haben. Besonders beim Porka-Fest, wenn der Sonnengott Upuleno die Erdgöttin Upusena heiratet, tanzen hier alle Frauen und Mädchen des Dorfes. Es gibt auch besondere Tanzboote, in denen die Frauen tanzen und in die benachbarten Dörfer oder zu den Inseln fahren, um dort die Bewohner zum Tanzen zu motivieren. Das Tanzen hält prokreative Schöpfungsakte in der Urzeit aufrecht bzw. erneuert diese. Diese Veranstaltungen vertiefen auch die sozialen Bindungen zwischen den Dörfern und befördern Hochzeiten. Die Tanimbaresen sind bekannt für ihre Bootsbaukunst. Die Schiffe dienen dem Gewinn von trepang (Seegurke) und den lokalen Handel. Sie haben auch eine große symbolische Bedeutung als Fahrzeug der Ahnen, die übers Meer kamen, und als Vehikel der Seelen ins Jenseits.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Die Tanimbar-Inselgruppe besteht aus 30 Inseln in der Maluku Tenggara kabupaten (Regentschaft), Maluku provinsi (“province”), in Ost-Indonesien Die Inseln liegen zwischen der Banda- und der Arafura-See. Früher war das Gebiet bewaldet, mit dichten Mangrovenwäldern, die den Einheimischen guten Schutz gegen Angreifer boten. Die Molukken wurden schon vor Zehntausenden von Jahren besiedelt. Zwischen 10.000 und 2000 v. Chr. erreichte die austronesische Expansion die Inseln. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Malaien und daneben kleineren Volksgruppen mit melanesischen und papuanischen Wurzeln, die früher mit dem Sammelbegriff Alfuren bezeichnet wurden. Der seit Jahrtausenden bekannte und für den Archipel namengebende Handel mit Gewürzen wurde bereits von den Ureinwohnern betrieben. Dabei tauschten die Bewohner der kleineren vulkanischen Inseln Muskatnuss und Nelken gegen Palmsago von den größeren Inseln, wie Halmahera und Seram. Der schon in der griechischen und römischen Zeit, vor allem aber der von Arabern und Europäern in der „Kolonialzeit“ betriebene Gewürzhandel rückte die Molukken in den Fokus des internationalen Interesses. Den mittelalterlichen Arabern und Indern folgten Portugiesen, Spanier (16. Jh.) und dann Holländer und Engländer (17. Jh. und später) als Monopolisten


