Los 717
Wächterfigur aus Holz
Schätzpreis:
1.000 € - 1.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Ost-Indonesien, Süd-Molukken, Leti, Patumera, erste Hälfte 20. Jh.H. 71,5 cm
Seltene, ungewöhnliche Hartholz-Plastik von der Insel Leti, die zu den südlichen Molukken gehört. Die auf einem Sockel hockende menschliche Figur, die dem früheren 20. Jh. zuzuordnen ist, hat nur zwei Zehen an jedem Fuß. Der Kopf mit ausdrucksstarkem Gesicht ist leicht zur Seite geneigt. Die Figur hat in für Molukken-Statuen typischer Weise die Arme über den Knien verschränkt, was in diesem Fall einen sympathischen, lebensnahen Eindruck erweckt. Dieses Stilelement weist nach De Jonge („Forgotten Islands of Indonesia“, 1995) eindeutig auf Leti hin. Auf dem Sockel ist ein kreisender Adler zu erkennen, ein Element, das möglicherweise mit heraldischer Emblematik von in Südostasien operierenden Mächten im Zweiten-Weltkrieg hindeutet. Die Statue zeigt Zeichen des Kulturwandels.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Die Inseln der Südmolukken (Maluku Tenggara) liegen östlich von Timor. Leti gehört zu den Leti-Inseln. Leti ist die westlichste Insel der Leti-Inselgruppe. Durch den Monsun zwischen Dezember und April ist sie von der Außenwelt völlig abgeschnitten, da dann die Ankerplätze nicht nutzbar sind. Auf der Insel Leti leben etwa 7.000 Menschen. Man spricht die austronesische Sprache Leti. Das legendäre Geschlecht der Patumera (Orang Patumera) auf Leti, Moa und Luang waren Menschen vom legendären Roten Stein (Batumerah), deren Verstorbene auf der Insel Wegnau wohnen sollten. Die linguistische Verwandtschaft mit der Bevölkerung von Batumerah auf der Insel Damar legt nahe, dass dieses Geschlecht von dort stammen könnte. Es ist denkbar, dass die Figur eine legendäre Stammesgründer-Figur darstellt. Es scheint eine konkrete individuelle Vorstellung zu bestehen, denn, da die Figur einen sehr individuellen Eindruck erweckt. Die Südmolukken haben eine sehr reiche Schnitztradition, die vor allem auf dem Ahnenkult basiert. Es handelt sich um Dorfgründer, Hausgründer, Stammesmütter und andere zu Göttern gewordene Vorfahren, an die man sich dauerhaft erinnert.


