Los 701
Zwei Zauberstabe "tunggal panaluan"
Schätzpreis:
3.000 € - 5.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Indonesien, Sumatra Nord-, Gebiet des Toba-Sees, Batak, Toba-Batak, frühes 20. Jh.L. 143 / 152 cm
Zwei vollplastisch geschnitzte Hartholz-Stäbe der datu, der Schamanen der Toba-Batak im nördlichen Sumatra. Der Stab tunggal panaluan ist ein Zeremonialstab, dem magische Kräfte zugesprochen werden. Er findet bei zahlreichen Zeremonien des datu Anwendung und ist zugleich dessen Rangabzeichen. Der Stab tunggal panaluan ist gekrönt von einem langhaarigen Reiter, der einen überproportional großen Kopf hat und auf einem verkleinerten Pferd sitzt. Die Batak sind leidenschaftliche Reiter; es gibt sogar lokale Pferderassen. Das Pferd verkörpert hohen Status bzw. Adel. Die Haarkrone besteht aus Rosshaar. Der Stab ist aus leichtem, geschwärztem Holz, und wohl dem fortgeschrittenen 20. Jahrhundert zuzuordnen. Er zeigt eine Reihe von weiblichen und männlichen Gestalten in Hockhaltung, zwischen denen ein Büffelhaupt zu erkennen ist (entsprechend den „Zauberstabmythen“ von einem inzestuösen Paar). Die Figuren halten teilweise Opferutensilien. Die „grafische“ Anmutung bildet einen interessanten Kontrast zum üblichen Stil der älteren Stäbe, aber auch zu modernen Schnitzarbeiten, die meist „moderner“ wirken und den üblichen Kanon der Batak-Kunst in tendenziell überzeichneter Form zum Ausdruck bringen. Der andere Stab ist ein alter Stab tunggal panaluan, der eindeutige Spuren längeren Gebrauchs zeigt. Er ist aus schwerem, hartem Holz gefertigt und mit einem schwarzen organischen Überzug versehen. An mehreren Stellen ist pupuk eingebracht, welches den Stab „beseelt“. Die Zahl und Anordnung der Figuren beweist, dass die in der Literatur oft postulierte Notwendigkeit eines bestimmten Personals nicht zwingend zutrifft. An einigen Stellen ist eine metamorphorische Indifferenz der Charaktere zu erkennen, die weder als eindeutige Echsenwesen noch als Menschen zu bezeichnen sind. Die oberste Figur mit der wohl später ergänzten Krone aus einer Annilin-gefärbten Textilkordel mit eingebundenen Pferdehaaren zeigt das Grundmotiv des ein Opfergefäß haltenden Adoranten. Die Haltung mit gewinkelten Knien mutet wiederum ausgesprochen polynesisch an. Eine genauere Datierung ist ungewiss. Das Reittier ist undeutlich als singa zu erkennen. Der Begriff singa leitet sich von dem Sanskrit-Wort singga oder simha (Löwe) ab, was keine biologische, sondern eine mythologische Bedeutung hat. Er verkörpert den Naga Pahóda oder Boru Saniang Naga, die Weltschlange der hinduistischen Mythologie.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Der datu der Toba-Batak (bei den indisch und muslimisch beeinflussten Karo-Batak als Guru bezeichnet) ist ein mit magischen Kräften und Fähigkeiten versehener Medizinmann, bewandert in „weißer Magie“, der die Aufgabe hat, Krankheiten zu verhüten und zu heilen. Zu den wichtigsten Ritualgegenständen eines datu, und zugleich neben dem Medizinhorn wichtigstes äußeres Zeichen seines Amtes, gehört der tunggal panaluan, der bei fast allen Ritualen Anwendung findet. Während der magischen Handlungen versetzt sich der datu in Trance und vollführt mit dem tunggal panaluan in der Hand die rituellen Tänze. Bei den Batak gibt es zwei Arten von rituellen Stäben: tunggal panaluan und tungkot malehat. Letzterer hat einen glatten Schaft und ist nur am oberen Ende beschnitzt. Ob diese Formen auch in ihrer magischen Funktion unterschiedlich sind, ist nicht geklärt


