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Los 659

Tabakspfeife "tulpang" oder "genduk"

Schätzpreis:

1.500 € - 2.500 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Toba-Batak, Indonesien, Nord-Sumatra, 19. Jh.
L. 85 cm
Messing. Besonders große, schwere Rauchpfeife aus Messing. Pfeifen dieser Art waren bei den Toba- und Simalungun-Batak in Nord-Sumatra bedeutendes Prestigegut und wurden teilweise über viele Generationen weitervererbt. Unter anderem waren die Pfeifen als Gaben zwischen Adligen bei Clan-Allianzen und Hochzeiten von Bedeutung. Die Pfeife ist zweiteilig, sie wird an einer schweren Messingkette wie eine Tragetasche über der Schulter getragen. Zum Rauchen wird der Kopf auf den Boden oder ein spezielles Holzbänkchen aufgesetzt. Die Pfeife hat Ellbogen-Form und einen großen trichterförmigen Kopf zu Befüllung mit Tabak und evtl. Rauschmitteln (kein Opium, hierfür waren spezielle Pfeifen gebräuchlich). Sie ist in verlorener Form gegossen; partiell geglättet und gefeilt. Die Oberfläche ist mit figürlichen und geometrischen Motiven appliziert, unter denen die für die Batak charakteristischen Kugelreihungen und Doppel-Spiralmotive sowie erhaben gearbeitete Ahnen - und singa-Motive herausstechen. Letztere stehen für Legitimation des batak`schen Hochadels und für die dreiteilige Weltordnung, wobei der singa, ein mythisches Urweltwesen, die Unterwelt und die meist hockend dargestellten Ahnenfiguren die Oberwelt bzw. Sphäre der Götter verkörpern, gemäß dem dreischichtigen Weltmodell der Batak, das auch in vielen anderen Weltgegenden in ähnlicher Weise der Kosmologie zugrunde liegt. Die kugeligen Motive gehen wahrscheinlich auf die hinduistische Herrschersymbolik des Lotusthrons zurück. Das Gießen von Buntmetall, welches in dieser Pfeife zur Vollendung gebracht wurde, ist eine Fertigkeit, die die Batak seit sehr langer Zeit beherrschen, sie war in den mutmaßlichen Ursprungsgebieten der Batak im heutigen Südwest-China (Yunnan) schon in den Jahrhunderten vor der Zeitenwende sehr hoch entwickelt. Es wird im Wachsausschmelzverfahren mit verlorener Form gegossen.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung, seit den 1950er Jahren gesammelt - Minim. berieben
Lit.: IFICAH (2018): Die Verwandtschaft im Nacken. Ahnenkult und Klingenkunst der Batak auf Nord-Sumatra. International Foundation of Indonesian Culture and Asian Heritage. Hollenstedt. S. 118-119
Tabak wurde ursprünglich von Spaniern und Portugiesen zunächst in die Visayas und nach Luzon importiert und dort als „cash-crop“ kultiviert, er ist in Südostasien seit dem späten 16 Jh. bekannt. As teures Gut verkörperte er in der Frühzeit seiner Verbreitung Prestige, Reichtum, sozialen Status und - nicht zuletzt - funktionierende Außenbeziehungen und Weltläufigkeit.
Die Batak sind eine der größten und einflussreichsten Ethnien Indonesiens. Erstmals in Europa bei Marco Polo in Bezugnahme auf ältere arabische Quellen als Batta bzw. Ba-Ta („Schweinefleisch-Esser“) erwähnt, umfassen die Batak-Ethnien heute ca. 6 Millionen Menschen. Die Batak gliedern sich in sechs Volksgruppen, deren ursprüngliches Siedlungsgebiet auf Samosir, der Insel im Tobasee, liegt. Die größte Gruppe sind die Toba, die um die südliche Hälfte des Toba-Sees und auf Samosir siedeln. Im Toba-Hochland leben insgesamt etwa 4,8 Millionen der insgesamt 6 Millionen Batak.
Über die Herkunft der Batak sind verschiedene Theorien bekannt. Eine besagt, dass die Batak in mehreren Einwanderungsschüben aus den Berggegenden Thailands und Birmas kamen und von dort zunächst die Westküste Sumatras erreichten. Linguistische Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass die ersten austronesisch sprechenden Volksgruppen vor etwa 2.500 Jahren von Taiwan und den Philippinen über Borneo und Java Sumatra erreichten. Da es sich bei den Batak um eine ethnogenetische Großgruppe aus Ethnien mit unterschiedlichen lokalen Ausprägungen handelt, können beide Theorien zutreffen