Los 661
Schwert "hemola"
Schätzpreis:
4.000 € - 6.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
West-Timor, Ost-Indonesien, Atoin Meto (früher Atoni), 19. Jh., evtl. älterL. 77 cm (92 cm mit Haaren)
Stahl, Horn (Wasserbüffel, kerbau), Haare (Pferd), Holz, Rattan. Außergewöhnlich gut erhaltenes, hervorragendes Beispiel eines hemola, wie es ausschließlich auf Westtimor und den westlich von Timor gelegenen Inseln Alor, Rote und Savu vorkommt. Die schlanke, sich nach vorne verbreiternde Klinge ist aus Raffinierstahl und in Komposit-Technik gefertigt. Der Rücken zeigt eine streifige Struktur und besteht aus mehreren zusammengeschmiedeten Elementen, der härtere Schneidenteil ist separat angeschmiedet. Die Materialqualität ist hoch; eine professionelle bzw. spezialisierte Fertigung steht außer Frage. Der große Horngriff mit den eingesetzten Pferdehaarbüscheln und den im Flachrelief eingeschnittenen spiralig-geometrischen Ornamenten, die deutliche Bezüge zur Dong s’on-Ornamentik aufweisen, ist ebenfalls professionell gefertigt; es gab hierfür spezialisierte Griffschnitzer. Die großen Knaufflächen sind hohlgearbeitet, was dem Stück trotz der „kastenförmigen Anmutung eine große Eleganz verleiht. Die rattanbewickelte Scheide aus ziemlich hartem Holz ist konstruktiv ein Rätsel; es hat den Anschein, als sei sie aus einem Stück gearbeitet. Zumindest lässt sich am verdickten Mundstück und am Fuß keine Naht erkennen. Das Schwert hemola wird meist insbesondere mit den Inseln Rote / Roti und Sawu in Verbindung gebracht, steht aber in timoresischer Tradition. Die Schwerter Timors sind mit jenen Sulawesis und der südlichen Philippinen (kampilán) verwandt, was auf gemeinsame, sehr alte Ursprünge wahrscheinlich in der Zeit früher indischer Beeinflussung um die Zeitenwende schließen lässt. Dieses Schwert kann der ethnischen Großgruppe der Atoni (Atoin Meto) zugeordnet werden. Diese bilden die dominierende Bevölkerung Westtimors. Der Name Atoin Meto bedeutet so viel wie „Einheimische“ oder „einheimische (indigene) Menschen“ (atoni: Mensch, meto: einheimisch, nicht fremd). Die Atoin leben in den niederen Bergregionen des Hinterlands, wo sie aus landwirtschaftlichen Gründen („shifting cultivation“) Höhen zwischen 500 m und 1000 m bevorzugen, und besiedeln ganz Westtimor, mit Ausnahme des Regierungsbezirke Belu und Malaka an der Grenze zum Nachbarland Osttimor. Die verschiedenen Gruppen sind durch eine Fülle wirtschaftlicher und sozialer Beziehungen miteinander verbunden. Die Bevölkerung der benachbarten Inseln Rote und Sawu, die sich auf hindu-javanische und indische Ursprünge beruft, ist mit den Atoin Meto hinsichtlich ihrer materiellen Kultur deutlich erkennbar verwandt. Dieses Schwert ist aufgrund seines Zustands und seiner beispielhaften Ausführung als bedeutend anzusehen.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Part. berieben, minim. Alterssch.
Wie die übrigen großen Inseln des Archipels war Timor Ziel vieler Einwanderungswellen. Anthropologen gehen davon aus, dass die Nachkommen dreier maßgeblicher Einwanderungswellen auf Timor und den westlich gelegenen Inseln Rote und Sawu leben, wodurch auch die ethnisch-kulturelle Vielfalt Timors zu erklären ist. Man vermutet, dass vedo-austronesische Völker ca. 40.000 bis 20.000 v.u.Z., also während der letzten Kaltzeit, Timor erreichten. Die in Westtimor dominierenden Atoin Meto und die Helong, die ursprünglich die Region um Kupang besiedelten und von den Atoin Meto an die äußerste Westspitze der Insel verdrängt wurden, gelten teilweise als die Nachkommen dieser ersten Siedlungswelle, obwohl ihre Sprachen zu den austronesischen Sprachen gehören. Die nachfolgenden metallzeitlichen Austronesier, welche, den großen Flussläufen Mekong und Salween folgend, aus Südwest-China kamen und in ein oder zwei Wellen Timor erreichten, überprägten die bestehenden Kulturen in unterschiedlicher Tiefe (z.B. die Tetum und die Kemak). Chinesische, indische und europäische Händler zeigten - wohl schon seit dem Altertum - reges Interesse vor allem an den ehemals sehr reichen Sandelholzbeständen der Insel. Der über Jahrhunderte stattfindende Sandelholzhandel mit Südostasien ging auch an den Kulturen Timors zu keiner Zeit spurlos vorüber


