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Los 665

Schwert "pada" oder "pade"

Schätzpreis:

4.000 € - 6.000 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Ost-Indonesien, Sulawesi oder Maluku, 18. Jh. oder älter
L. 85,5 cm
Stahl, Holz, Haare, Guttapercha. Das hier vorgestellte Objekt ist ein sehr schönes und guterhaltenes Beispiel für ein pade oder bada/pade mit sehr alter Sammlungsprovenienz. Die Herleitung des Begriffs pada, der sich auf vorderlastige, einschneidige Hiebklingen im Großraum „Celebes-See“ bezieht ist unklar. Es ist anzunehmen, dass er auf das indische Wort pata oder patta (in Mahrati und Hindi) zurückgeht, welches wiederum mit dem griechisch-römischen Wort spatha, „Schwert“, zusammenhängt. Der lange, nach unten gezogene Griff ist aus mittelhartem Holz. Er ist durch eine kleine Hornplatte von der Klinge abgesetzt, die kurze Handhabe ist mit feinen Rattanbändern unregelmäßig umwunden. Der mit rot gefärbtem Rattan aufgebundene verbreiterte Knauf ist durch eine Guttapercha-Kugel ergänzt, in die Büschel langer Menschenhaare eingesetzt sind. Der Kontext mit der Kopfjagd, die in Ostindonesien flächendeckend bekannt war, ist unübersehbar. Die mächtige Klinge kann mit ziemlicher Sicherheit als süd-sulawesische Arbeit bezeichnet werden, während der Griff einen Typ aus Maluku repräsentiert. Noch heute heißt eine Inselgruppe vor Süd-Sulawesi Pulau Tukangbesi, „Insel der Eisenschmiede“ bzw. der „Eisen-Könner“. Wahrscheinlich wurden hier sowohl Rohmaterialien als auch Klingen verhandelt und lokal mit Griffen versehen. Schwerter dieser Art sind auf den „Gewürzinseln“ und Nordsulawesi (Minahasa) schon im 16. Jahrhundert nachgewiesen (z.B. durch Darstellungen im Boxer-Kodex), dürften jedoch auf eine viel längere Geschichte zurückblicken (s.o.). Die wuchtige, aber gut balancierte und relativ leichte Klinge ist in Komposit-Technik gefertigt. Die Flanken sind bikonvex, bis sie abrupt in den verstärkten dachförmigen Rücken übergehen. So wird größere Steifigkeit bei gleichzeitig geringerem Gewicht erzielt. Schneide und Rücken sind aus strukturiertem Raffinierstahl, der Klingen-Mittelteil besteht aus gezielt hergestelltem Laminat mit stark ausgeprägter Maserung. Die „Fehlschärfe“, d.h. der lange verdickte Hals der Klinge an der Basis, bevor die Schneide ansetzt, kann dem Greifen mit der zweiten Hand für starke Hiebe dienlich sein, ist aber primär eine Tragehilfe, denn pade wurden (ähnlich einer Axt) frei in der Hand oder über der Schulter als Waffe, aber ebenso als „Würdezeichen“ getragen und kamen ohne Scheide aus. Das Stück dürfte aus dem 17. oder 18. Jahrhundert stammen, da sich die Provenienz aus einer Schweizer Privatsammlung schon ca. 140 Jahre zurückverfolgen lässt. Die schöne Alterspatina lässt jedoch auf ein noch deutlich höheres Alter schließen.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Minim. Alters- und Gebrauchsspuren
Die Bevölkerung der Molukken besteht überwiegend aus Malaien und kleineren Volksgruppen (Pagu- und Tidore-Sprechern), die früher mit dem Sammelbegriff Alfuren bezeichnet wurden. Melaneside und australide Merkmale sind noch spürbar, nicht zuletzt im anthropologischen Habitus. Der sprichwörtliche Handel mit Gewürzen („Gewürzinseln“) wurde spätestens um die Zeitenwende betrieben, dürfte jedoch älter sein. Dabei tauschten die Bewohner der kleineren vulkanischen Inseln Muskatnuss und Nelken gegen Palmsago von den größeren Inseln, wie Halmahera und Seram. Die Bugis importierten diese Gewürze nach Java und Sumatra, von wo aus sie nach China, Indien und Europa weiterverhandelt wurden. Die ansässige Bevölkerung wurde von Arabern und frühen europäischen Kolonisatoren Alfuren oder Halifuren / Alifura genannt. Mit „Alfuren“ ist also keine präzise ethnologische Zuordnung verbunden. Die Herkunft des Wortes ist auch nicht eindeutig geklärt. Es wurde aus dem Portugiesischen forro (forrar) und Spanischen horro (horrar) hergeleitet, was beides mit „frei“ übersetzt wird und auf das Arabische harr mit derselben Bedeutung zurückgeht. Ferner lässt es sich von der Selbstbezeichnung des papuanischen Volkes Arfu im Nordwesten Neuguineas ableiten