Los 667
Betel-Behälter "kapuh sirih"
Schätzpreis:
1.000 € - 1.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Nord-Sumatra, Toba-Batak, 19. Jh.H. ca. 19 cm
Gelbguss (in verlorener Form gegossen, nachbearbeitet). Ein Messingbehälter, der zum Ansetzten des „Betelbissens“ verwendet wurde. Der Deckelbehälter mit Scharnier ist in verlorener Form gekonnt mehrteilig gegossen und zeigt als Hauptmotiv eine hockende Ahnenfigur auf dem Deckel. Der Korpus ist mit Spital- und Kreismotiven in Batak-typischer Art erhaben dekoriert. Der Behälter verkörpert in seiner Gesamt-Komposition den Dualismus zwischen Ober- (Götter, vergöttlichte Ahnen) und Unterwelt. (Behälter; Gefäß; Fruchtbarkeit. Die Erde bzw. aquatische Sphäre ist Ursprung aller Fruchtbarkeit, die von der oberen Domäne befruchtet werden muss. Insofern ist das bewusste Öffnen und Schließen derartiger Behälter eine alltägliche Reminiszenz an göttliche Erneuerungsvorgänge.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Minim. Altersspuren
Betel ist ein in ganz Südostasien verbreitetes Genussmittel. Üblicherweise werden die unreifen Betelnüsse dazu mit speziellen Scheren kleingeschnitten, gestoßen und in mit gelöschtem Kalk bestrichene Blätter gerollt, welche nicht von der Betelpalme, sondern vom Betel- Pfeffer (Piper betle) stammen, was dann als Betelbissen (sirih) bezeichnet wird. Die gestoßene Betelnuss, die eine gefäßerweiternde Wirkung hat, wurde mit Kalkpaste gemischt zu Pfriemen verarbeitet und gekaut. Für das „Ansetzen“ der Betel-Paste war dieses Gefäß bestimmt. Wegen des bitteren Geschmacks werden häufig Gewürze wie Pfefferminze, Lakritze oder auch Kautabak hinzugegeben. Betelbehälter waren meist aus Horn oder Bambus, konnten - wie dieses Beispiel - bei den Toba jedoch auch aus Messing bestehen. Da sie meist in Felltaschen (salipi) getragen wurden, verzichtete man oft auf derart aufwendigen Dekor. Bemerkenswert ist die Hockhaltung der Figur auf der Sockelstruktur, die in dieser Konstellation fast javanisch anmutet und sich öfter auf Tempelglocken der „klassischen Periode“ Javas findet


