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Los 668

Schild ''vasem'' aus Mangrovenholz

Schätzpreis:

600 € - 1.000 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Papua Selatan (Neuguinea West-, Zentral-, Republik Indonesien), Asmat
H. 179 cm
Andeutungsweise ovaler Schild vasem der Asmat aus Papua Selatan (westlicher Teil Neuguineas, politisch zu Indonesien gehörend). Die großen Asmat-Schilde, die in ähnlicher Form auf Tanimbar vorkommen, sind zugleich Kampf- bzw. Schutzwaffen als auch Statusobjekte. Die Basis ist abgeflacht. Die vordere Ansicht (dem Gegner zugewandt) ist im flachen Relief mit abstrakten, in aufrechter Richtung symmetrisch angelegten eingerollten Formen beschnitzt und mit roter und weisser Farbe (Ocker, Kalk) gefasst. Die Motive auf der Vorderseite werden als Gruppierung abstrahierter Menschenfiguren interpretiert, die entweder Opfer der ritualisierten Kopfjagd oder aber Ahnen des Trägers sind. Eine andere Interpretation ist die Auslegung als stilisiertes „Welt-Dorf“ oder als Weg des Initianden in die Jenseitswelt und zurück; entsprechend dem Orpheus-Mythem und den eleusinischen Mysterien aus der klassischen Antike. Aus diesem Grund dürfen nur initiierte Männer diese Schilde besitzen (oder auch nur sehen). Die unbeschnitzte Rückseite hat einen integralen Griff. Schilde dieser Art wurden früher bei Stammesfehden zum Zweck der rituellen Kopfjagd getragen, ansonsten werden sie in Männerhäusern eingelagert und hoch geachtet. Im Rahmen von Bestattungsfeierlichkeiten werden sie oft rituell beschädigt oder zerstört. Als Angriffswaffen dienen teilweise aufwendige, mit Wurfbrettern geschleuderte Speere (jukaim, fum), Keulen und Dolche aus Menschenknochen. Die Schilde vasem sind stets aus einem Stück gefertigt, meist mit integralem Griff auf der Rückseite. Bei Kämpfen werden sie wegen der Größe teilweise auf den Boden aufgesetzt. Die immer mit dem Ahnenkult im Zusammenhang stehenden Motive lassen sich teilweise auf festländisch-austronesische Urformen zurückführen (innerasiatischer Tierstil). Sie haben teilweise Entsprechungen in Ostindonesien (Maluku). Die materielle Kultur der Jagd und Fischfang betreibenden Asmat zeichnet sich durch aufwendige Schnitzereien und eine Meisterschaft in der Bearbeitung organischer Materialien aus. Für Nutzwerkzeuge werden die nibung-Palme (Grabstöcke, Bögen, Pfeilspitzen, Speere), Mangroven (Bauholz und Kampfschilde) sowie die nipa-Palme (Matten und Elemente für Dachbedeckungen) genutzt.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung, erworben in den 1980er Jahren - Partiell Altersspuren und kleine Best.