Los 673
Langmesser "piso sanalenggam" (surik)
Schätzpreis:
4.000 € - 6.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Pakpak-Batak (evtl. Toba), wohl 17. oder 18. Jh.L. 70 cm
Stahl, Horn, Holz, Messing, Pigmente. Ein herausragendes Messer von großer kulturhistorischer Bedeutung. Das piso sanalenggam (wörtl. „Messer mit rotschwarzer Scheide“) ist eines der ältesten und ehrwürdigsten Klingenobjekte der Batak. Es wird meist mit den Pakpak- und Dairi-Batak in Verbindung gebracht, wird jedoch bei allen früher mit Süd-Indien (bzw. Ceylon) Kontakte pflegenden Batak-Gruppen verbreitet gewesen sein. Die Toba, die sonst eher Thai- und Khmer-Elemente in ihrer Klingenkultur bewahren, kennen den surik (die alte Bezeichnung für diese Form) jedoch ebenfalls. Die Klinge dieses piso sanalenggam ist stark bauchig und vorderlastig. Sie besteht aus Raffinierstahl, die Schneide ist selektiv gehärtet. Die Schneide beschreibt eine ausgeprägte S-Linie. Der piso sanalenggam unterliegt einem strengen Formen- und Dekorkanon. Der Griff stellt eine aristokratisch anmutende Figur mit angewinkelten Knien dar, die von einem zweilappigen Kopftuch gekrönt wird. Dazwischen ragt eine stilisierte Vogelfigur aus, die für die mythologische Abkunft des Hochadels von einer Vogelgottheit (Nashornvogel) steht. Die Figur trägt einen karierten kain (poleng-Karomuster als Ambivalenz-Symbol) und hält die Hände in Batak-typischer Rautenhaltung, wie sie auch bei den Dayak anzutreffen ist. Der Griff-Fuß sitzt in einer dickwandigen Gelbguss-Zwinge von typischer Toba-Machart. Die Scheide ist flächig im Flachrelief geschnitten und rotschwarz gefärbt. Das geometrische, in Rhomben gegliederte Motivfeld kann als Ableitung von indischen patola-Textilien interpretiert werden, die früher königlichen Status verkörperten. Das ganze Messer in der Scheide erinnert von der Form an ein Kanu, was möglicherweise als Hinweis auf die Seelenwanderung verstanden werden kann. Die Form ist noch nahe am einwärts gebogenen Sichelschwert im kopis / falcata-Stil, das wohl im 3. Jahrhundert v.u.Z. von den Makedoniern nach Indien gebracht wurde. Durch die indischen Tempelfriese von Ayanta und Hoysala sind diese Klingen spätestens seit dem 5. Jahrhundert u.Z., wahrscheinlich jedoch schon früher, nachgewiesen. Die surik-Form hat sich bis nach Seram und Tanimbar (Ostindonesien) verbreitet. Insgesamt verkörpert das Stück bzw. dieser Messer-Typ als gesamtheitliches Ensemble eine mit alt-austronesischen Elementen angereicherte Ebene indischen Kultureintrags und ist von großer kunstgeschichtlicher Bedeutung.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Alters- und Gebrauchsspuren, minim. best.
Lit.: IFICAH (2018): Die Verwandtschaft im Nacken, Ahnenkult und Klingenkunst der Batak auf Nord-Sumatra. International Foundation of Indonesian Culture and Asian Heritage. Hollenstedt. S. 10-12
Piso sanalenggam sind grundsätzlich im Zusammenhang mit Opferhandlungen durch die datu, Priester, zu sehen. Wie auch in Indien (dussedra-Festival) waren Tieropfer - und früher sicher auch Menschenopfer - bei vielen Anlässen gefordert, wurden vor allem jedoch im Zusammenhang mit Bestattungen durchgeführt. Die bauchige Schneide des piso sanalenggam eignet sich gut für rituelle Tötungen, vor allem für die Durchtrennung des Vorderhalses größerer Säugetiere mit einem Hieb; kleinere Tiere wie Ziegen, Federvieh etc. können damit auch enthauptet werden. Diese Art der Tötung wird aufgrund des Freisetzens großer Mengen Blut als besonders fruchtbarkeitsfördernd angesehen


