Los 675
Haumesser "bolo", "pinahia" oder "pika", mit Muschel-Gürtel "ginutto"/ "ginuktu"
Schätzpreis:
1.200 € - 1.800 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Luzon, Philippinen, Igorot-Gruppen, frühes 20. Jh.L. 56 cm
Stahl, Holz, Rattan, Muschelkalk. Ein prestigeträchtiges Haumesser bolo der Igorot auf Luzon. Das Messer ist gekonnt aus einem Stück Stahl geschmiedet; die Handhabe ist in breiten Bändern mit Rattan umflochten. Der Grundtyp mit der geschmiedeten integralen Grifftülle ist auf den gesamten Philippinen, auf Taiwan und in Japan (als matagi-to) bekannt und konstruktionsbedingt sehr robust und dauerhaft. Oft wurden die Messer von spezialisierten (oft chinesischen) chinesischen Schmieden hergestellt und sind von bemerkenswerter Qualität. Sie sind meist aus hochwertigen Materialien in Komposit-Technik geschmiedet und selektiv gehärtet. Der harte Gebrauch im Alltag, die ein großes Spektrum von Aufgaben abdeckt, stellt hohe Anforderungen; oft sind sie die einzigen verfügbaren Werkzeuge.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung, seit den 1950er Jahren gesammelt
Die Igorot-Gruppen haben sehr spezifische bolo (Haumesser) entwickelt, die sie anlässlich besonderer Gelegenheiten an einer besonderen Tragevorrichtung tragen, nämlich an Gürteln mit Lochscheiben von den in den Bergen besonders kostbaren Verschlussdeckeln der Riesenmuschel Tridacna giga. Die Gürtel werden um die Taille geschlungen und mit einem Hakenverschluss geschlossen. An diesen Gürtel wird die bolo-Scheide mit dem Messer mit einer Rattan- oder Textilschnur aufgehängt. Manchmal wird auch an das Gürtelband ein zusätzliches kürzeres Band angenäht, ebenfalls mit Muschelscheiben versehen, das dann ebenfalls bis auf die Knie des Trägers fällt. Die Muschelscheiben werden als Kostbarkeit angesehen; Messer dieser Art mit Gürteln sind hochgeschätzte Prestigegüter (und heute sehr selten). Die Muschelscheiben wurden aus Konusmuscheln und der Tridakna giga geschnitten, glattgeschliffen und an den Kanten abgerundet; sie sind von runder Form und von variierender Größe. Bei den kostbareren Stücken wie diesem vergrößert sich der Durchmesser vom Anfang eines Bandes bis zum Ende. Das Muschelornament wird als Sonnensymbol ginuktu bezeichnet. In der Literatur wird auch der komplette Gürtel mit oder ohne zusätzliche Sonnenscheibe ginuktu genannt. Die Sonnensymbolik der Scheiben und die emblematische Bedeutung der Gürtel verweisen auf den Umstand, dass diese Messer früher erfolgreichen Kriegern und Kopfjägern vorbehalten waren - Feiner alter Gebrauchspatina, minim. Alterssch.


