Los 676
Schwert "pada", "pade"
Schätzpreis:
2.500 € - 3.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Ost-Indonesien, Sulawesi oder Maluku, Alfuren, 18. Jh. oder älterL. 83 cm
Stahl, Holz, Horn, Haare (menschlich). Das hier vorgestellte Schwert ist ein sehr schönes und guterhaltenes Beispiel für ein pade oder bada/pade. Die Klinge kann mit ziemlicher Sicherheit als süd-sulawesische Arbeit bezeichnet werden, während der Griff einen Typ aus Maluku repräsentiert. Schwerter dieser Art sind auf den „Gewürzinseln“ und Nordsulawesi (Minahasa) schon im 16. Jahrhundert nachgewiesen (z.B. durch Darstellungen im Boxer-Kodex), dürften jedoch auf eine viel längere Geschichte zurückblicken (s.o.). Die reliefgeätzte Klinge ist in komplexer Komposit-Technik mit einem Korpus aus zwei tordierten Stäben gefertigt. Diese Technik ist sehr aufwendig und daher selten. Schneide und Rücken sind aus strukturiertem Raffinierstahl. Die „Fehlschärfe“, d.h. der lange verdickte Hals der Klinge an der Basis, bevor die Schneide ansetzt, kann dem Greifen mit der zweiten Hand für starke Hiebe dienlich sein, ist aber primär eine Tragehilfe, denn pade wurden (ähnlich einer Axt) frei in der Hand oder über der Schulter als Waffe, aber ebenso als „Würdezeichen“ getragen und kamen ohne Scheide aus. Der lange, hinten nach unten gezogene Griff ist aus mittelhartem Holz. Er ist durch eine kleine Hornplatte von der Klinge abgesetzt, die kurze Handhabe ist mit feinen Rattanbändern unregelmäßig umwunden. Der hintere Teil ist aus dunklem Büffelhorn. In eine Öse am Ende ist ein Büschel Menschenhaare eingehängt, was auf den Kontext mit der Kopfjagd hinweist.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Handschriftliche Sammlungsnummer: 414
Die Herleitung des Begriffs pada, der sich auf vorderlastige, einschneidige Hiebklingen im Großraum „Celebes-See“ bezieht, ist unklar. Es ist anzunehmen, dass er auf das indische Wort pata oder patta (in Mahrati und Hindi) zurückgeht, welches wiederum mit dem griechisch-römischen Wort spatha, „Schwert“, zusammenhängt. Unser Stück dürfte aus dem 17. oder 18. Jahrhundert stammen, da sich die Provenienz aus einer Privatsammlung schon ca. 140 Jahre zurückverfolgen lässt. Die schöne Alterspatina lässt jedoch auf ein noch höheres Alter schließen. Die Bevölkerung der Molukken besteht überwiegend aus Malaien und kleineren Volksgruppen (Pagu- und Tidore-Sprechern), die früher mit dem Sammelbegriff Alfuren bezeichnet wurden. Melaneside und australide Merkmale sind noch spürbar, nicht zuletzt im anthropologischen Habitus. Die ansässige Bevölkerung wurde von Arabern und frühen europäischen Kolonisatoren Alfuren oder Halifuren / Alifura genannt. Mit „Alfuren“ ist also keine präzise ethnologische Zuordnung verbunden


