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Los 678

Medizinbehälter "naga barsarang"

Schätzpreis:

1.200 € - 1.800 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Nord-Sumatra, Toba-Batak, 19. Jh.
L. 50 cm
Horn, Holz, Textilfaser. Großes Zauberhorn (Medizinbehälter) eines ranghohen Schamanen der Toba-Batak. Ein altes Horn mit Spuren intensiven Tragens und Beopferns, was sich in einer dicken krustigen Patina zeigt. Um den Geist des Horns günstig zu stimmen, wurden die Hörner in regelmäßigen Abständen und je nach Benutzung geräuchert und mit Blut, Belelsaft und anderen Substanzen eingerieben. Dies „verschloss“ die Oberfläche und verhinderte übelwollende Einflüsse auf die Außenwelt. Die Frontseite, die der Deckel bildet, zeigt ein mächtiges, vollplastisch geschnitztes Haupt eines singa mit menschenähnlichem Gesicht und stolzem, drachen- oder pferdeartig hochgeschwungenem Hals. Er ist durch elegant ausgeführte, spiralig auslaufende Kerbschnitt-Verzierungen akzentuiert. Der hochgeworfene „Schwanz“ bzw. das Hornende wird - wie meist - durch eine hockende Ahnenfigur abgeschlossen. Das Horn hat eine Trageschnur.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Bei diesem Behälter aus dem Horn eines Büffels tritt die übliche „Ahnen-Prozession" auf dem Kopf des singa sehr zurück. Der singa selbst hat das oft anzutreffende „Doppelgesicht“, mit einem fast menschlich anmutenden Frontalantlitz, das mit dem unter dem Kinn befindlichen singa-Tiermaul kombiniert ist, unter dem sich die Vorderbeine des Wesens abzeichnen. Auf dem Haupt sitzt die typische dreistrahlige „Krone“, die nach der einschlägigen Lesart auf den Kopfschmuck hinduistischer Gottheiten zurückgeht. Dieses Dreifach-Gehörn auf dem Haupt, das für singa typisch ist, geht möglicherweise jedoch sogar noch auf das uralte taotie-Motiv aus dem zentralchinesischen Kulturgebiet zurückgeht. Es wurde bisweilen auch als Weltenbaum interpretiert. Der taotie ist eine stets frontal dargestellte, gehörnte Totem-Tiermaske, die seit dem chinesischen Neolithikum eins der Hauptmotive chinesischer Kunst ist. Ursprünglich könnte es sich um einen Tiger als Totem eines mächtigen Stammel oder Clans gehandelt haben. Dies ist ein sehr eindrucksvolles Zauber-Horn wahrscheinlich hohen Alters