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Los 686

Seelenbrett aus Weichholz mit Darstellung eines Seelenschiffes "telun"

Schätzpreis:

4.000 € - 6.000 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Indonesien, Borneo, Kalimantan Ost-, Ngadyu- oder Bahau-Dayak, 20. Jh.
26 x 60 cm
Holz, Pigmente. Ein sehr seltenes, rituell bedeutsames Objekt. Dargestellt ist in der Gesamtheit ein Schiff in der Gestalt eines stilisierten Drachen mit gebleckten Zähnen und herausgestreckter Zunger. Der Drache aso verkörpert die Abstammungsgemeinschaft. Das Seelenschiff ist in den Farben Rot, Schwarz, Weiß ausgeführt. Bei den Pigmenten handelt es sich bei Schwarz wohl um gebrannte unreife Kokosnuss-Schalen, bei Weiß um dem Saft des Ficus religiosa und bei Rot um Drachenblut, welches mit Kokosöl angerieben wird. Die Personen an Bug und Heck sind mit Abwehr böser Geister beschäftigt. In der Mitte des Schiffdecks erkennt man die Überdachung mit der Graburne und den darüber aufgehängten Gongs, die als heilige Erbstücke pesaka den Toten begleiten und sein Prestige verdeutlichen.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Das Seelenschiff telun ist ein Konzept der Dayak auf Borneo, das ursprünglich wahrscheinlich auf die ägyptische Sonnenbarke von Ra zurückgeht. Man glaubte, dass die Seelen ähnlich wie die Sonne im Osten aus der Unterwelt aufsteigen und im Westen "untergehen" und in die Unterwelt Apulagan eingehen. Der Tote reist auf einem Fluss, welcher erst breit anfängt und am Ende durch eine enge Schlucht mit einem Feuerstrudel am Ende in das Totenreich führt. In dem im Mittelteil dargestellten Häuschen hält sich die Seele auf, die Objekte an dem Gestell sind kostbare pusaka, Erbstücke, aufgehängt, die dem Toten mitgegeben wurden. Sie leuchten auf dem Weg ins Jenseits, darum sind sie für die Fahrt wichtig. Die Schiffe mit einem Nashornvogel-Bug heißen banama tinggang („großer/hoher Name“) und stehen für Adlige, während der Drachenbug (aso) das “Standardmodell“ darstellt. Während der Tote im Jenseits auf seine Erlösung wartet, hält sich seine Seele in einem Holzbrett auf, auf welches ein Totenschiff gemalt ist und das sich am Haus des Verstorbenen befindet. Die Zweitbestattung, tiwah („Feier der Erlösung“), findet Monate oder sogar Jahre nach dem Tod statt. Der lange Zeitraum zwischen den beiden Bestattungen ist darauf zurückzuführen, dass das tiwah ein sehr aufwändiges und teures Fest ist und bis zu einem Monat dauern kann. Daher werden deshalb oft mehrere Bestattungen zusammengeführt. Man glaubte, Blut würde die Sonne bzw. das Boot auf dem Weg stärken, wohl ursprünglich wegen ihrer roten Farbe beim Auf- und Untergang. Daher war die Kopfjagd, für die die Dayak früher berühmt-berüchtigt waren, bei der Bestattung von Adligen unerlässlich