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Los 690

Haumesser "bolo", "pinahia" oder "pika", mit Muschel-Gürtel ginutto

Schätzpreis:

3.000 € - 4.000 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Luzon, Philippinen; Igorot-Gruppen, frühes 20. Jh.
L. 55/57 cm
Stahl, Holz, Textilfaser, Muschelkalk (Tridakna giga). Ein prestigeträchtiges Haumesser bolo der Igorot auf Luzon. Das Messer ist gekonnt aus einem Stück Stahl geschmiedet; die Handhabe ist in zwei breiten Bändern mit Rattan umflochten. Der Grundtyp mit der geschmiedeten integralen Grifftülle ist auf den gesamten Philippinen, auf Taiwan und in Japan (als matagi-to) bekannt und konstruktionsbedingt sehr robust und dauerhaft. Oft wurden die Messer von spezialisierten (oft chinesischen) chinesischen Schmieden hergestellt und sind von bemerkenswerter Qualität. Sie sind meist aus hochwertigen Materialien in Komposit-Technik geschmiedet und selektiv gehärtet. Der harte Gebrauch im Alltag, die ein großes Spektrum von Aufgaben abdeckt, stellt hohe Anforderungen; oft sind sie die einzigen verfügbaren Werkzeuge. Die Igorot-Gruppen haben sehr spezifische bolo (Haumesser) entwickelt, die sie anlässlich besonderer Gelegenheiten an einer besonderen Tragevorrichtung tragen, nämlich an Gürteln mit Lochscheiben von den in den Bergen besonders kostbaren Verschlussdeckeln der Riesenmuschel Tridacna giga. Die Gürtel werden um die Taille geschlungen und mit einem Hakenverschluss geschlossen. An diesen Gürtel wird die bolo-Scheide mit dem Messer mit einer Rattan- oder Textilschnur aufgehängt. Manchmal wird auch an das Gürtelband ein zusätzliches kürzeres Band angenäht, ebenfalls mit Muschelscheiben versehen, das dann ebenfalls bis auf die Knie des Trägers fällt. Die Muschelscheiben werden als Kostbarkeit angesehen; Messer dieser Art mit Gürteln sind hochgeschätzte Prestigegüter (und heute sehr selten). Die Muschelscheiben werden aus Konusmuscheln und der Tridakna giga geschnitten, glattgeschliffen und an den Kanten abgerundet; sie sind von runder Form und meist gleich groß, bei den kostbareren Stücken vergrößert sich der Durchmesser vom Anfang eines Bandes bis zum Ende. Ihr Durchmesser beträgt ca. zwei bis acht Zentimeter. Auf einen textilen Träger werden die gelochten Muschelscheiben mit einem doppelten oder einfachen Rattanstreifen aufgefädelt. Das Rattan-„Garn“ läuft aus dem textilen Grundträger über den Muschelscheibenrand, mittig durch den textilen Träger und fädelt dabei die Muschelscheiben auf. Manche Gürtel weisen bis zu 32 dieser kostbaren Scheiben auf. Die Enden der Tragebänder sind oft zopfförmig mit Rattanstreifen oder einem Büschel Garn in rot gefärbtem Garn abgeschlossen. Bei besonders wertvollen Gürteln ist am Verschluss eine größere Tridacna giga-Muschelscheibe von acht bis zehn Zentimeter Durchmesser wie ein großer zweilöcheriger Knopf aufgenäht. Diese ist rund oder sternförmig mit einfachen oder Doppelstrahlen und mit einem flachen, aufgenähten Schildpatt-Ornament von ca. fünf Zentimetern Durchmesser versehen. Das Muschelornament wird als Sonnensymbol ginuktu bezeichnet. In der Literatur wird auch der komplette Gürtel mit oder ohne Sonnenscheibe ginuktu genannt, die Gürtelschließe hingegen upud. Die Sonnensymbolik der Scheiben und die emblematische Bedeutung der Gürtel verweisen auf den Umstand, dass diese Messer früher erfolgreichen Kriegern und Kopfjägern vorbehalten waren.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Part. minim. best.