Los 693
Schwert "surik"
Schätzpreis:
3.000 € - 5.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Indonesien Ost-, Timor, Zentral-, Belu / Tetum, frühes 19. Jh.L. 111 cm (115,5 cm mit Haaren)
Stahl, Horn, Holz, Haare (Ziege). Ein sehr seltenes, herausragendes surik-Schwert aus Zentral-Timor, das als Prestigeobjekt bei den Tetum eine große Rolle spielte. Es verkörpert Status und Kriegertum per se. Gebogene Schwerter wie dieses sind bei den Tetum verbreitet, während die von diesen teilweise verdrängten Atoni die typologisch älteren, geraden Schwerter bevorzugen. Der Symbolgehalt ist jedoch ähnlich. Der Begriff surik leitet sich von sanskr. curiga, „Schwert, ab, andere Derivate sind corik oder sonri. Die einschneidige, gekehlte Rückenklinge ist eine französische oder deutsche Säbelklinge aus dem frühen 19. Jh., wie in größerem Stil in den Archipel importiert wurde. Oft wurden die Klingen aus praktischen Gründen gekürzt; die volle Säbellänge (Kavalleriesäbel) ist nur selten anzutreffen. Der große Griff ist aus dunklem Büffelhorn. Die Form mit pyramidalem ausgeprägtem Knauf ist typisch für Zentral-Timor und trägt rot gefärbte Ziegenhaare, wohl eines Opfertiers. Deutlich erkennbar ist das zentrale „Auge“, das auch an süd-philippinischen Schatzfunden aus dem 9. und 10. Jh. an Schwertgriffen anzutreffen ist. Die zweiteilige Holzscheide mit dem verdickten Scheidenmund ist mit einer dicken, krustigen, organischen Patina bedeckt, die eine Mischung aus dem Blut von Opfertieren, Betelsaft und Alkoholika sein dürfte - namhafte, hochrangige Schwerter wie dieses mussten durch regelmäßiges „Beopfern“ mit magisch aufgeladenen Substanzen besänftigt werden. Der abstrahierte Knauf geht in letzter Konsequenz auf den Nashornvogel oder ein anderes symbolträchtiges Tier zurück. Schwerter dieser Art durften nur von ranghohen Kriegern getragen werden.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Sammlungsnummer: 06-1564
Auf Timor obliegt dem spezialisierten Krieger oder Vorkämpfer, meo, die Aufgabe, die ritualisierte Kriegsführung und das Nehmen von Leben gemäss dem adat zu organisieren und zu moderieren. Meo war ein besonderer Kriegerstand auf Timor, sowohl bei den Tetum als auch den Atoni. Sein Symbol ist der surik. Die malayo-polynesischen Tetum (auch Tetun, früher Belu), denen dieses Schwert zugewiesen werden kann, sind die größte Ethnie Osttimors. Im indonesischen Westtimor bilden sie einen Großteil der Bevölkerung in den Regierungsbezirken Belu und Malaka. Die Tetum bilden mit etwa 450.000 Angehörigen die größte Ethnie Osttimors und mit 500.000 die zweitgrößte in Westtimor. Sie wanderten im 14. Jahrhundert nach Timor ein, der Überlieferung zufolge aus Malakka / Sumatra. Wohl aus diesem Grund bevorzugen sie gebogene Klingen (unter indo-persischer Beeinflussung), ältere Ethnien haben eher gerade Schwerter. Zuerst ließen sie sich im Zentrum der Insel nieder und verdrängten die Atoin Meto in den Westteil Timors. Später stießen sie auch in den Ostteil vor und gründeten sukzessive vier Reiche, von denen Wehale das mächtigste war


