Los 694
Schwert "belida"
Schätzpreis:
5.000 € - 8.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Ost-Indonesien, Solor-Inseln, Lamaholot, 18. od. frühes 19. Jh.L. 81,5 cm
Stahl, Holz, Zinn, Knochen, Horn, Leder. Ein sehr seltenes und kulturgeschichtlich sehr wichtiges Schwert aus Ost-Indonesien, welches den Lamaholot-sprechenden Ethnien zuzuweisen ist. Das belida genannte Schwert von den Solor-Inseln hat einen unverkennbaren, langen, gebogenen Griff. Bei einigen Exemplaren ist der hintere Teil mit rotem und schwarzem Stoff umwickelt, welche durch Anhängsel aus demselben Material ergänzt werden (diese Variante wird belapa genannt). Das vorliegende Beispiel hat einen Leder- oder Hautüberzug. Der Hauptteil des Griffes ist aus hartem, braunem Holz, welches unten am Übergang zur Klinge durch ein großes, parierstück-artiges Zinnelement abgeschlossen ist. Dieses buchtet sich einseitig zur Schneide hin aus und bildet ein optisches Gegengewicht zu dem großen einseitigen Fortsatz aus Horn und Knochen, der den mittleren Griffteil ergänzt und die einhändige Handhabung verbessert. Zinn hat - wohl zurückgehend auf seinen fast magisch anmutenden Einfluss auf Kupfer, aus welchem beim Legieren dann goldene und harte Bronze wird, eine große symbolische Bedeutung, die sicher in die Bronzezeit zurückreicht. Zinn als Applikation war dem Adel und der erfolgreichen Kriegerschaft vorbehalten. Die vorderlastige Klinge ist wahrscheinlich eine Arbeit aus Südost-Sulawesi, von woher über Jahrhunderte geschätzte Klingen kamen, die im gesamten östlichen indonesisch-malaiischen Archipel (Nusa Tenggara Timur) wertvolles Handelsgut waren. Deutlich erkennt man die laminierte Konstruktion mit einem aus streifigem Stahl bestehenden Klingenkörper und einer aufgeschmiedeten harten Schneide.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Vergleichsstücke sind sehr selten; zwei finden sich bei: A. G. Van Zonneveld (2002): Traditional Weapons of the Indonesian Archipelago. Koninklijk Instituut Voor Taal Land- en Volkenkunde S. 33-34; W. Foy (1899): Schwerter von der Celebes-See. Publicationen aus dem Königlichen ethnografischen Museum zu Dresden, Seite 5, Tafel 4
Das belida ist ein Kampfschwert und gleichzeitig Prestigeobjekt, das ausschließlich auf den Flores vorgelagerten ostindonesischen Solor-Inseln üblich war, jedoch Verwandte auf Timor, den Molukken (Maluku) und Sulawesi hat. Es ist wahrscheinlich, dass es früher auch auf Flores üblich war, wo ein ähnliches Schwert ngada, sonri bzw. rugi bis ins 19. Jh. üblich, damals jedoch bereits selten war. Die Bezeichnung sonri wiederum hängt mit dem Sanskrit-Begriff churiga bzw. churrika (indonesisch surik) zusammen. Diese Art Schwert ist viele Jahrhunderte alt und geht auf gemeinsame südindische Vorbilder aus dem frühen ersten Jahrtausend zurück. Es gehört zur Gruppe der klevang, ein generischer Name für Hiebklingen in Gesamt-Südostasien. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht auch zu den palittai auf Mentawai. Die begrifflichen und formalen Übereistimmungen lassen auf ein sehr hohes Alter der Formen schließen, da der Kontakt zwischen diesen weit voneinander entfernten Ethnien in historischer Zeit kaum noch bestanden hat. Belida ist auch verwandt mit balato, dem traditionellen Schwert aus Nias in West-Indonesien, und beladau auf Borneo. Die Silbe to (dao) stammt aus dem Chinesischen und bedeutet Messer oder Schwert (mit einer Schneide); im Japanischen wurde to (Schwert) daraus. Die Schwerter waren Waffen für die ritualisierte Kriegsführung mit Kopfjagd zur zyklischen Umwidmung und Erneuerung von Lebenskraft und Fruchtbarkeit. Trotz ihrer (aus unserer heutigen Sicht) sinistren Symbolik und Geschichte sind sie Kunstwerke und heute seltene kulturhistorische Kostbarkeiten.


