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Los 695

Schild ''vasem'' aus Mangrovenholz

Schätzpreis:

800 € - 1.200 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Papua Selatan (Neuguinea West-, Zentral-, Republik Indonesien), Asmat
ca. 212 cm
Ovaler Schild vasem aus der Asmat-Kultur. Die großen Asmat-Schilde, die in ähnlicher Form auf Tanimbar vorkommen, sind sowohl Kampf- bzw. Schutzwaffen als auch Statusobjekte. Die Basis ist abgeflacht, der obere Teil endet in einem gerundeten Bereich, der als „Kopf“ des Schildes angesehen wird, welcher alter ego seines Besitzers ist. Die vordere Ansicht (dem Gegner zugewandt) ist im flachen Relief mit abstrakten, asymmetrisch angelegten Formen beschnitzt und mit roter und weisser Farbe (Ocker, Kalk) gefasst. Die doppelt axialsymmetrischen Motive auf der Vorderseite werden als Gruppierung abstrahierter Menschenfiguren interpretiert, die entweder Opfer der ritualisierten Kopfjagd oder aber Ahnen des Trägers sind. Die unbeschnitzte Rückseite hat einen integralen Griff. Die untere Seite kann bei Kampf- und Zeremonialhandlungen provisorisch auf den Boden gesetzt werden. Schilde dieser Art wurden früher bei Stammesfehden zum Zweck der rituellen Kopfjagd getragen, ansonsten werden sie in Männerhäusern eingelagert und hoch geachtet. Im Rahmen von Bestattungsfeierlichkeiten werden sie oft rituell beschädigt oder zerstört. Sie sind stets aus einem Stück gefertigt, in den besseren Fällen (wie hier) mit integralem Griff auf der Rückseite. Als Angriffswaffen dienen teilweise aufwendige, mit Wurfbrettern geschleuderte Speere (jukaim, fum), Keulen und Dolche aus Menschenknochen.
Die mit dem Ahnenkult im Zusammenhang stehenden Motive auf den Schilden lassen sich teilweise auf festländisch-austronesische Urformen zurückführen (abstrahierter innerasiatischer Tierstil) und stellen nach einigen Interpretationen - alternativ zu den Einstufungen als stilisierte Menschenfiguren; s.o. - ein mythisches Ur-Dorf oder den Weg des Initianden in die Jenseitswelt und zurück dar. Der Asmat-Kultur, die landwirtschaftlich ausgerichtet ist, liegen zyklisch ausgerichtete Kosmologien zugrunde, die auf regelmäßigen Erneuerungsritualen basieren, zu denen auch die Kopfjagd zur „Gewinnung“ von Lebensenergie gehört. Diese haben weitgehende Entsprechungen in Ostindonesien und entsprechen in vielem den eleusinischen Konzeptionen.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung, erworben in den 1980er Jahren - Partiell Altersspuren