Los 699
Pulverhorn "salempang"
Schätzpreis:
500 € - 800 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Nord-Sumatra, Karo-Batak, spätes 19. / frühes 20. Jh.L. 16,5 cm
Horn (Büffel), Textilfaser. Schönes altes Pulverhorn der Karo-Batak. Es ist aus der Spitze des honigfarbenen Horns eines Büffels (vorzugsweise eines Bullen; wahrscheinlich eines Wildrinds) gefertigt. Der Korpus ist geglättet und zeigt umlaufend die für Batak-Kunst typischen geometrischen Motive in zwei Reihen. Darüber erhebt sich eine hockende (Ahnen)figur mit angezogenen Knien. Die Hartung reminisziert Bestattungshaltungen und symbolisiert Erneuerung und Wiedergeburt, da die Haltung auch die eines Embryo entspricht. Früher wurden die Toten in dieser Haltung, oft im Haus unter dem herdstein, bestattet und blieben so mit den Lebenden verbunden. Die kleine Öffnung im Scheitelpunkt der Ahnenfigur ist mit einem Stöpsel in demselben Material verschlossen, der mittels einer Schnur via Ösen mit der Flasche verbunden ist. Die schmale Öffnung kann passgenau auf die Mündung der Tromblon-Gewehre (Hakenbüchsen) aufgesetzt und das Pulver eingeschüttet werden.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt - Sehr minim. Gebrauchsspuren - Auf Unterseite Sammlungsnr. 175.
Die Batak verfügen seit vielen Jahrhunderten über Schusswaffen. Neben Wurf-Speeren, Schleudern und Pfeilbogen waren sie die wichtigsten Kampfmittel, da vorzugsweise aus Befestigungen heraus gekämpft wurde. Bei Ausfällen und Überfällen kamen Speere unterschiedlicher Art zum Einsatz; in geringerem Ausmaß sind auch Pfeil und Bogen und Blasrohr sowie die Schleuder verbürgt. Zum Einsatz kamen auch steinharte Lederschilde (aus der Nackenhaut des Nashorns oder Büffels), die angeblich sogar Musketenkugeln stoppen konnten. Nahkämpfe wurden oft stellvertretend durch erfahrene „Vorkämpfer“ ausgetragen, was dem allgemeinen Bedürfnis nach der Anspannung des kämpferischen Erlebnisses und der Notwendigkeit der Beilegung der Konflikte Genüge tat und die Verluste geringhielt. Die bekannten Batak-Griffwaffen wie die piso dürften eher selten und nur als „letztes Mittel“ zum Einsatz gekommen sein


